Feuerwehr tritt geschlossen im Gemeinderat von Rheurdt an - aus Protest!

Es ging um das neue Feuerwehrgerätehaus von Rheurdt : Feuerwehr-Protest im Rheurdter Rat

Feuerwehrgerätehaus Rheurdt bleibt am Marktplatz . CDU-Fraktion ist dafür. SPD, FDP und Grüne wollten vertagen.

Einsatz in eigener Sache: Mehr als 70 Feuerwehrleute – vom jüngsten Nachwuchs bis hin zu den Senioren – erschienen am Montagabend in der Sitzung des Gemeinderates von Rheurdt. Sie protestierten in voller Uniform und mit allen Fahrzeugen gegen die Wahl eines falschen Standortes für das neue Rheurdter Feuerwehrgerätehaus und machten deutlich: Die seit mehr als 21 Monaten andauernde Hängepartie um das in die Jahre gekommene Gerätehaus Rheurdt muss ein Ende finden. Bereits im laufenden Jahr mussten alle Rheurdter Feuerwehrleute eine Erklärung unterschreiben, in der sie auf die Gefahren im alten Feuerwehrhaus hingewiesen wurden: Dieselverqualmung und Quetschverletzungen aufgrund der Enge.

Am Ende bekam die Wehr ihren Willen. Die CDU-Fraktion stimmte mit allen zehn Politikern im Sinne der Feuerwehr für eine Erneuerung am bisherigen Standort – dem Marktplatz. Krankheitsbedingt brachten SPD, FDP und Grüne nur neun Stimmen zusammen, jeweils ein Vertreter fehlte bei SPD und Grünen. Ihr Antrag auf Vertagung der Entscheidung wurde abgelehnt. Die drei Parteien haben zusammen eine Stimme mehr als die CDU.

Der Beschluss hat Folgen: Die Rheurdter Pfingstkirmes wird künftig vom Marktplatz in den Burgerpark umziehen müssen. Denn die Architekten des Feuerwehr-Neubaus hatten auf die Unverträglichkeit von Einsatzfähigkeit und Volksfest hingewiesen. Am Marktplatz könnten sich Feiernde und Feuerwehr ins Gehege kommen.

Dies hatte zur Suche nach einem Ausweichstandort geführt. Dabei war ein Gelände am Zentralfriedhof erneut ins Blickfeld der Verwaltung geraten. Bereits 2016 sollte dort ein gemeinsames Feuerwehrgerätehaus für Rheurdt und Schaephuysen neu gebaut werden. Damals wehrten sich die Löschzüge vehement dagegen; Gutachter unterstützen sie. Es blieb bei zwei getrennten Geräte-Häusern für die Löschzüge.

Nun erschien aus Sicht der Feuerwehrleute der längst abgelehnte Neubau neben dem Zentralfriedhof erneut auf der Tagesordnung. Matthias Rickers, der Leiter des Löschzugs Rheurdt, machte in einer mehrseitigen Erklärung zu Beginn der Ratssitzung deutlich: Dieser Standort sei nicht gemeindeeigen, befinde sich nicht in der Nähe des jetzigen Standorts und sei „nicht … geeignet“. Wichtigstes Argument: Bei Bränden und Unfällen in Kengen könnten die ersten Einsatzkräfte nicht mehr binnen acht Minuten am Einsatzort sein. Und: Der Weg der Freiwilligen zu Ausrüstung und Wagen würde sich deutlich verlängern. Zum Rheurdter Marktplatz könnten viele zu Fuß oder per Fahrrad kommen. Zum Zentralfriedhof müsse man mindestens zwei Minuten mit dem Auto fahren.

CDU-Fraktionschef Hans-Rainer Tabke sagte für Christdemokraten, sie seien im Sinne der Feuerwehr entscheidungsfähig. Die FDP beantragte, unterstützt von SPD und Grünen, eine Vertagung. Dies wurde abgelehnt. Vom Grünen Frank Hoffmann kam der Hinweis auf den Druck, den die Feuerwehr durch ihren Auftritt aufbaue. Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen antwortete darauf so: „Ich gehe davon aus, dass die Feuerwehr von hier aus sofort zum Einsatz fährt, falls es jetzt irgendwo brennen sollte.“

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