Familienzuwachs in Neukirchen-Vluyn: CJD übernimmt den neuen Kindergarten.

Familienzuwachs in Neukirchen-Vluyn : CJD übernimmt den neuen Kindergarten

Das Christliche Jugenddorfwerk bleibt Neukirchen verbunden. Die Kita eröffnet im nächsten Jahr. Es wird zwei Vorlaufgruppen geben.

Manchmal wird es selbst Gabi Klein ein wenig unheimlich. Dabei ist die Fachdienstleiterin Kindertagesstätten in der Kreisverwaltung normalerweise kaum zu erschüttern. „Wir haben noch jedes Kind untergebracht“, sagt sie am Telefon. Doch was Neukirchen-Vluyn seit vier Jahren als Kinderzuwachs erlebt, das sprengt den Kreisdurchschnitt. Nirgendwo sonst nimmt der Bedarf an Kinderbetreuung – „U3“ ebenso wie „Ü3“ – so rasant zu wie in der Familienstadt am linken Niederrhein. Grund sind die großzügig ausgewiesenen Neubauflächen mit Grundstücks und Hauspreisen, die junge Familien gerade noch so schultern können – und zudem nah genug am Ruhrgebiet, an Düsseldorf, an niederländischen Boomstädten. Das treibt den Bedarf. Das Angebot folgt immer in respektvollem Abstand.

Kaum war die Awo-Kita an der Sittermannstraße 2018 in Betrieb gegangen, wurde klar: Möglichst rasch muss eine weitere Kita her. Die ist jetzt laut Klein beieinander: An der Wiesfurthstraße, auf dem Gelände des CJD, des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland, werden bestehende Gebäude umgerüstet, damit dort im nächsten Jahr vier Kita-Gruppen eröffnet werden können. Als Träger konnte der CJD selbst gewonnen werden – das Jungenddorfwerk bleibt Neukirchen also verbunden. Die Politik musste als Kröte schlucken, dass der Investor auf dem Gelände die Kita unterbringt, aber darüber hinaus keine günstigen Wohnungen schafft.

Und damit die Betreuungsquote jenseits der Altersgrenze von drei Jahren so hoch gehalten werden kann wie bisher, eröffnen zwei Vorläufergruppen – Kinder in Containern. Auch dafür ist nach Kleins Angaben das städtische Grundstück schon gefunden. 2020 werden die Container-Kinder dann in die ordentliche Kita an der Wiesfurthstraße überführt. Selbst das wird nur für eine vergleichsweise kurze Atempause sorgen. Vermutlich spätestens 2022 ist die nächste Kita fällig. Aus Sicht der CDU kommt dafür die ehemalige Dörpfeldschule in Frage; sie wird derzeit als Unterbringung für geflüchtete Familien – überwiegend Frauen und Kinder genutzt. Für CDU-Fraktionschef Markus Nacke wäre dies ein idealer Kita-Standort. SPD-Chefin Elke Buttkereit hingegen erkannte die Krux an diesem Plan sofort, sie möchte Flüchtlinge nicht gegen junge Familien ausspielen. Die SPD hofft darauf, bessere Standorte zu finden – am liebsten in den künftigen Neubaugebieten. Zudem habe man in der Dörpfeldschule vor drei Jahren Millionen investiert, um sie zur Flüchtlingsunterkunft aufzurüsten. Diese Investition ist noch lange nicht abgewohnt – wenn es nach der SPD geht.

An Container-Standorten für Kindergruppen werden die Stadt und der für die Kitas zuständige Kreis vorerst nicht vorbeikommen. Der Container an der städtischen Kita Diesterwegstraße war 2016 eigentlich nur als Provisorium aufgestellt worden – für 15 bis 20 Plätze. Nun soll er bis 2021 bleiben. Ebenso geht es dem 2018er Provisorium bei der Awo am Larsfeldweg – auch dort bleiben 20 Kinder bis 2021 im Container. Zudem werden Kita-Gruppen überbelegt, falls nötig.

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