Neukirchen-Vluyn: Erste Zweifel am "Bräm-seine-Frau-Platz"

Neukirchen-Vluyn: Erste Zweifel am "Bräm-seine-Frau-Platz"

Die Entscheidung einer Jury, den Platz vor dem Gebäude des Erziehungsvereins nach Wilhelmine Bräm zu benennen, hat schon die ersten Kritiker. Aus der Politik kommen Bedenken, ob der Rat den Vorschlag wirklich absegnen soll.

Hans Hanßen bezeichnet sich als "waschechten Neukirchener". Aber selbst er, gesteht der FDP-Mann, habe nie von Wilhelmine Bräm gehört. Die Ehefrau von Andreas Bräm, dem Gründer des Erziehungsvereins, stand bislang immer im Schatten ihres Mannes.

Das soll sich nun ändern, befindet jene Jury, die aus mehr als 250 eingereichten Vorschlägen einen Namen für den Platz vor dem Gebäude des Neukirchener Erziehungsvereins ausgewählt hat. "Wilhelmine-Bräm-Platz" soll die Fläche heißen, die bislang keinen offiziellen Namen hat.

Nicht erst seit es die sozialen Netzwerke gibt, fordern solche Entscheidungen rasch Lob oder Kritik heraus. Doch auf Facebook dominierten in den vergangenen Tagen eher spöttische oder zumindest launige Reaktionen. Der ehemalige SPD-Ratsherr Gerd Lück prägte bereits den Spitznamen "Andreas-Bräm-seine-Frau-Platz" und hat damit die Lacher auf seiner Seite.

Für Hans Hanßen ist die Wahl eines weiteren Mitglieds der Familie Bräm ein wenig zu viel des Guten. "Wir haben bereits eine Andreas-Bräm-Straße, ein Bräm-Haus, nun auch noch einen Bräm-Platz", meint er im Gespräch mit unserer Zeitung. "Da können wir Neukirchen-Vluyn auch gleich Bräm-Stadt nennen." Mit einem eigenen Vorschlag war Hanßen während des Wettbewerbs allerdings nicht hervorgetreten.

Etwas stark "verbrämt" scheint auch Markus Nacke, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU die Entscheidung zu sein. Und damit, deutet er an, stehe in seiner Fraktion nicht alleine da. "Wir haben noch nicht über diesen Punkt gesprochen", sagte Nacke gestern Vormittag. "Aber ich sehe eine deutliche Tendenz gegen diesen Namen." Auch Fraktionsvize Heiko Haaz hat Zweifel, ob der Wettbewerb letztlich sinnvoll gewesen ist. "Sie können natürlich einen neuen Namen vergeben, aber für die Menschen im Ort wird es immer der ,Platz am Denkmal' bleiben, genauso wie die Leute heute noch vom Vutzkreisel reden. Namen sind Schall und Rauch." Auf das Stadtmarketing und den Werbering, die beide zu den Initiatoren des Wettbewerbs gehörten, dürften solche Äußerungen ernüchternd wirken. Dass die CDU diesen beiden nun in den Rücken fällt, sieht Markus Nacke nicht. "Die Politik war schließlich an der Jury nicht beteiligt", meint er lakonisch.

Auch die SPD-Fraktion habe über das Thema noch nicht ausgiebig diskutiert, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Günter Zeller gestern. "Ich habe aber schon einiges Positive über die Entscheidung gehört." Gelobt werde die Tatsache, dass eine Frau gewürdigt werde, deren soziale Arbeit oft im Schatten ihres Mannes gestanden habe. "Wilhelmine Bräm hat sich große Verdienste erworben", sagt Zeller. Allerdings werde seine Fraktion sich auch die anderen eingereichten Vorschläge anschauen, kündigte er an.

(s-g)