Einzelhandel auf Niederberg-Gelände in Neukirchen-Vluyn: Investor soll kriegen, was er will

Einzelhandel : Niederberg: Investor soll kriegen, was er will

Ausschuss stimmt für 1200 Quadratmeter großen Vollversorger, den Gutachter für städtebauverträglich halten. Die CDU bezweifelt das.

Die Debatte läuft seit drei Jahren. Schwächt ein Lebensmittelmarkt, der sich südlich an das neue Niederberg-Wohnquartier anschließt, die beiden bestehenden Zentren in Neukirchen und Vluyn? Oder wirkt sich ein Markt fast gar nicht auf diese beiden Zentren aus? Von der Stadt wurden das Büro „Junker + Krause – Stadtforschung Planung“ aus Dortmund beauftragt, in einer Verträglichkeitsuntersuchung der Frage nachzugehen, wie sich ein neuer Markt auf andere Märkte und die Zentren auswirkt.

Am Mittwochabend stellte Christina Nitz, die die Untersuchung zusammen mit Stefan Kruse vorgenommen hatte, das Ergebnis vor. „Ein Lebensmittelvollsortimenter gefährdet die beiden Zentren nicht“, sagte die Gutachterin bei der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Er dürfe aber nicht mehr als 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, schränkte sie ein. Auf bestehende Lebensmittelmärkte wirke er sich unter zehn Prozent aus.

Den Markt will Investor Jürgen Tempelmann. Das Geschäft soll Teil eines neuen „Creativquartiers“ auf Niederberg sein (wir berichteten). Die Gutachter gehen von 1500 Einwohnern aus, die in fußläufiger Nähe wohnen. Diese rechnen sie vor allem aus den 450 Wohneinheiten hoch, die im Niederbergquartier entstehen. Dabei legen sie drei Einwohner pro Wohneinheit zugrunde. Weitere 1500 potentielle Käufer prognostizieren sie aus einem etwas weiteren Umkreis.

Die Christdemokraten zweifelten die Zahlengrundlage an. „Ein Markt schädigt die bestehenden Zentren“, blickte Thomas Stralka in die Zukunft. Dazu könnten sich die Geschäfte an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße nicht mehr entwickeln, wenn ein Lebensmittelvollsortimenter mit 1200 Quadratmetern eröffne.

Die anderen Fraktionen sahen das anders. Die Sozialdemokraten hatten dabei die neuen Einwohner im Niederbergquartier im Blick. „Den Niederbergern ist ein Markt für die Nahversorgung versprochen worden, als sie dorthin gezogen sind“, unterstrich Richard Stanczyk. „Ein Markt ist gut für die Entwicklung des Quartiers. Ein Markt ist nicht zentrenschädigend.“ Günter Zeller ergänzte, der Markt habe ein anderes Angebot als die Zentren, die weiter frequentiert würden, weil es dort zum Beispiel Apotheken oder Arztpraxen gebe.

Auch die Grünen sprachen sich für den Markt aus. „Er ist kompatibel mit dem Landesentwicklungsplan“, sagte Christian Pelikan. „Wir sollten die Chance zulassen.“ Die Liberalen schlossen sich an. „Wir können dem Investor helfen“, sagte Norbert Gebuhr.

So beschloss der Stadtentwicklungsausschuss mehrheitlich, für das Gebiet im südlichen Niederbergquartier einen Rahmenplan mit einem Lebensmittelvollsortimenter von 1200 Quadratmetern Größe anzusiedeln. Die CDU enthielt sich.

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