Neukirchen-Vluyn: Eieiei: Kita-Kinder brüten was aus

Neukirchen-Vluyn: Eieiei: Kita-Kinder brüten was aus

"Vom Huhn zum Ei" heißt es im Kindergarten Kranichstraße. Nabu-Naturtrainer Manfred Püplichhuisen hat eine Brutmaschine und 30 Eier mitgebracht, aus denen pünktlich vor Ostern Küken schlüpfen sollen.

Um eine Begegnung mit Henriette kommt man in der Kita Kranichstraße nicht herum. Das künstliche Federvieh thront auf einem Kasten mit Styropor-Deckel. Der hat Fenster, und wer da durchguckt, sieht Eier, wohlgeordnet in Reihen liegend. Der Kasten ist eine Brutmaschine, und aus den Eiern sollen in der Karwoche Küken schlüpfen. "Wenn 70 Prozent der Eier was werden, wäre das eine gute Brutrate", sagt Manfred Püplichhuisen. Mal kurz rechnen . . . Mit 21 Küken wäre dann also vor Ostern zu rechnen.

Püplichhuisen ist 74 und verkaufte im früheren Leben Photovoltaik-Anlagen. Jetzt engagiert er sich als "Naturtrainer" im Nabu und öffnet den Vorschulkindern der Kita seit ein paar Jahren die Augen für ihre Umwelt. "Ich wollte etwas Sinnvolles machen", sagt er. Ging es bei Püplichhuisens Kindergarten-Aktionen bisher um Themen wie Müll oder Kohlendioxid, so lautet das Motto diesmal "Vom Huhn zum Ei". Die Kinder haben Hühner gezeichnet; die Bilder formen nun eine mit Stroh dekorierte schöne Collage an der Wand hinter der Brutmaschine. Und sie haben zusammen mit ihren Erzieherinnen Henriette gebastelt. Jetzt sind alle gespannt, ob aus den Eiern, die Püplichhuisen von einem Hof mitgebracht hat, wirklich Küken rauskommen. "Jeder bekommt eines und darf es streicheln", freut sich schon Vorschulkind Mark.

Bis es soweit ist, heißt es geduldig, und fleißig sein. Die Kinder und ihre Erzieherinnen müssen die Temperatur in der Brutmaschine im Blick behalten, bei 38,3 Grad soll sie liegen. Sie müssen die Eier zweimal täglich lüften - auch eine Henne vertritt sich ja mal die Beine und sucht etwas zum Futtern. Sie müssen die außen liegenden Eier mit den innen liegenden tauschen, weils innen etwas wärmer ist. Ebenfalls müssen die Kinder die Luftfeuchtigkeit kontrollieren und bei Bedarf Wasser in dafür vorgesehene Behälter füllen. "Die Feuchtigkeit liegt anfangs bei 45 und steigt zum Ende auf 60 Prozent", sagt Püplichhuisen. Und wie macht eine Henne das alles? Sie hat's von Natur aus drauf! Sage nie wieder jemand "dummes Huhn".

Rund drei Wochen dauert es, bis sich ein Küken im Ei soweit entwickelt, dass es schlüpfen kann. Schon ab dem achten Bruttag werden die Kinder aber nachschauen, ob sich etwas in den Eiern tut. Dabei hilft eine "Schierlampe". Die sehr hell leuchtende Taschenlampe hat eine Gummi-Manschette am Kopf, damit lässt sie sich an die Ei-Spitze drücken. Schaltet man sie dann ein, wird das Innenleben des Eis durch dessen kaum einen halben Millimeter dünne Schale als Schatten erkennbar. Anfangs sind da nur Dotter und Eiweiß zu ahnen, später werden die Mädchen und Jungen die Embryos in verschiedenen Entwicklungsstufen erkennen können. Hält man die Lampe ans Ei, leuchtet es, als hätte jemand darin ein Kerzlein entzündet. Und es wird sichtbar, dass ein Ei Poren hat, damit das Küken darin Luft bekommt. Etliche tausend der winzigen Löcher weist die Schale auf. Ein wundersames Ding ist so ein Ei, wenn man es mal genauer betrachtet.

Auch wenn die Kinder sich schon auf "ihre" Küken freuen. Jeder weiß: Hühner sind Tiere, und Tiere sind keine Spielzeuge. So werden die Mädchen und Jungen die Küken bestaunen, liebhaben - und dann abgeben. "Meine Enkel bringen sie auf einen Hof", sagt Manfred Püplichhuisen. "Dort können sie sie dann aufwachsen sehen."

(RP)