Neukirchen-Vluyn: Dörpfeldschule wird Flüchtlingsheim

Neukirchen-Vluyn : Dörpfeldschule wird Flüchtlingsheim

Bis Ende März soll in den Räumen der ehemaligen Schule Platz für 80 asylsuchende Menschen aus dem Ausland geschaffen werden. Für den Umbau werden Ausgaben in Höhe von 750 000 Euro fällig.

132 asylsuchende Menschen aus dem Ausland leben derzeit in den Flüchtlinsunterkünften der Stadt Neukirchen-Vluyn. Damit sind die zur Verfügung stehenden Plätze - insgesamt maximal 141 - fast ausgeschöpft. Für die Unterbringung weiterer Asylbewerber muss möglichst schnell vorgesorgt werden.

Die Bezirksregierung Arnsberg hat die Stadt im Dezember auf die allgemein steigenden Flüchtlingszahlen hingewiesen und sie darauf vorbereitet, dass sie, wie andere Kommunen auch, einen gewissen Teil dieser Menschen aufzunehmen hat. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sie allein im ersten Halbjahr 2015 mindestens 50 Personen zusätzlich unterbringen muss.

Auf der Suche nach einer angemessenen, raschen und nicht zu teuren Lösung haben die Fachleute im Rathaus die seit zwei Jahren leer stehende ehemalige Dörpfeldschule ins Auge gefasst. Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschuss es haben gestern Abend in einer Sondersitzung einstimmig dem Umbau der Räume zugestimmt. Sie sollen so hergerichtet werden, dass rund 80 Menschen darin wohnen können. Im ersten und zweiten Obergeschoss des Gebäudes an der Jahnstraße werden voraussichtlich bis Ende März Wohn- Küchen-, Aufenthalts- und Besprechungsräume entstehen. Duschen und Toiletten sollen in "Mobilwohnheimbauweise" auf dem Schulhof errichtet werden.

Ein Sichtschutz des Zugangs zu den Sanitäranlagen ist vorgesehen. Es soll geprüft werden, ob er nicht gänzlich "eingetunnelt" werden kann. Zusätzlich regten die Fraktionen an, zusätzlich dazu auf jeder Etage nach Geschlechtern getrennte Toiletten einzurichten. Die Turnhalle wird von der Planung nicht angetastet, sie bleibt für den Schul- und Vereinssport erhalten.

Auf 691 000 Euro hat die Stadt die Kosten für den Umbau kalkuliert, mit den "Zusatzwünschen" der Politiker werde sich die Summe auf rund 750 000 Euro erhöhen, schätzte Bürgermeister Harald Lenßen. Er hatte allerdings gleich gesagt, dass es "auf 20, 30, 40 000 Euro nicht ankommt". Vielmehr gehe es darum, menschenwürdige Unterkünfte zu akzeptablen Bedingungen zu schaffen. Haushaltstechnisch sei der Umbau der ehemaligen Dörpfeldschule günstiger als zum Beispiel die Errichtung von Wohncontainern - jedenfalls von solchen in höherer Qualität. Zudem habe die Dörpfeldschule einige weitere Vorteile. So liege sie unweit der Unterkunft "Am Hugengraben", wo es ein Büro der Flüchtlingshilfe des Diakonischen Werks gibt. Zudem werde (so die Verwaltung) "durch die relativ zentrale Lage die Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten und die Versorgung mit den Dingen des täglichen Lebens erleichtert".

Mit dem neuen Platz für 80 Flüchtlinge werde die Stadt im laufenden Jahr auskommen, sagte der Beigeordnete Jörg Geulmann. Für die Jahre 2016 / 17 werden man aller Wahrscheinlichkeit nach weitere 100 Plätze brauchen. Die Stadt werde den Immobilienmarkt im Auge behalten, prüfen ob ein Neubau infrage komme und Gespräche hinsichtlich der ehemaligen Gebäude des CJD an der Wiesfurthstraße fortführen. Die SPD kritisierte, dass gestern keine Zahlen dazu vorlagen, wie teuer eine Anmietung oder eine Kauf dieser Räume wäre. SPD-Fraktionschef Jochen Gottke bezeichnete die CJD-Räume als "ideal". Die Dörpfeldschule sei keine schlechte Lösung. "Sie ist aber auch nicht gut."

(RP)