Diskussion zum Zölibat im Pfarrheim Schaephuysen

RHEURDT: Zölibat: Fluch oder Segen?

„Implodiert der Katholizismus wegen des Zölibatgesetzes?“ war das Thema eines Streitgesprächs im katholischen Pfarrheim St. Hubertus Schaephuysen.

Mit Hein Josef Aengenheister, Religionspädagoge aus Schaephuysen, und dem Berliner Autor Josef Bordat trafen zwei Fachleute aufeinander. In einem Streitgespräch stellten sie unterschiedliche Positionen zum Zölibat zur Disposition. Zunächst erläuterte Bordat das Zölibat als Lebensform der Ehelosigkeit und geschlechtlichen Enthaltsamkeit. Eine eindeutige biblische Position finde sich nicht auf Anhieb, Jesus habe aber zölibatär gelebt. Mit Papst Innozenz I. wird 1139 auf dem Lateran-Konzil das Zölibat Pflicht, „um in gerechter Weise dienen zu können und sich ganz auf Gott auszurichten“, so Bordat.

In der Praxis könne sich der Priester auf sein „Amt konzentrieren, braucht keine Rücksicht auf Familie zu nehmen, ist unabhängig, flexibel und nicht erpressbar“, sagte Bordat. Das Zölibat sei daher wertvoll, frei von Zwang und sollte nicht aufgegeben werden.

Die zölibatäre Lebensweise liefere Argumente für den aktuellen Priestermangel, wie auch die Missbrauchsdiskussion, so Bordat, und Argumente für den Glaubens- und Gläubigenmangel. Bei Umfragen spreche sich die Mehrheit der Menschen für eine Abschaffung aus. Bordat: „Es besteht jedoch kein kausaler Zusammenhang. Das Zölibat bringt weder den Missbrauch noch die Pädophilie hervor. Die Abschaffung löst nicht die Probleme.“ Vielmehr wirke für Täter die Möglichkeit des pastoralen Zugangs zu Kindern anziehend.

Hein Josef Aengenheister betonte, dass Kirche ohne Zölibat besser aufgestellt sei. Er nannte das Zölibatgesetz ein „Machtinstrument mit feudalem Charakter in einer Zwei-Klassen-Bonzen-Gesellschaft.“ Jesus habe zum Zölibat durchgehend geschwiegen.

Die katholische Kirche stelle in ihrer Sexualfeindlichkeit keine Verlockung für die Jugend dar, Priester zu werden, sagte Aengenheister weiter. Das Zölibat sei neben den Fusionen mit ein Grund für das Auseinanderbrechen. Aengenheister plädierte für einen Neuanfang ohne Zölibat, prangerte die „Tricksereien“ der Bibel an und erinnerte an die Arbeit der „viri probati“, der verheirateten Männer im Amt des Diakons.

In der Seelsorge gehe es oft um familiäre wie partnerschaftliche Probleme und der Priester sei ein wenig geeigneter Gesprächspartner, hieß es in der anschließenden Diskussion aus dem Publikum. Es werde zu theoretisch argumentiert. Unverständlich sei der Luxus der katholischen Kirche, gut ausgebildete Männer aufgrund von Zölibat gehen zu lassen, ohne Bewegung in die eigene Position zu bringen. Der Blick zu den verheirateten Priestern in der Orthodoxen Kirche lohne. Ein neuer Weg, ein „sowohl als auch“ sei dringend nötig.

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