Der Klingerhuf gehörte komplett den kleinen Artisten.

Neukirchen-Vluyn : Manege frei für die Ferienkinder!

Zirkus Toussini am Klingerhuf: Hundert Schüler wurden zu Fakiren, Akrobaten, Clowns oder Tänzern ausgebildet.

Bahar (11) schwitzt. Nicht, dass sie aufgeregt wäre: „Das war bloß die Hitze im Zelt“, wird sie später sagen. Die Schülerin hat den Flowerstick bereits in den Krug mit gereinigtem Petroleum gehalten und an einer Kerze angezündet. Im Publikum wird es still. Nun heißt es: Mutig sein! Bahar hält den brennenden Stab hoch in die Luft, einige Mütter und Väter auf den Zuschauerbänken scheinen den Atem anzuhalten. Vielleicht auch ihr Opa. Ihre Schwester Isabel (15) nicht, die traut ihr alles zu, glaubt Bahar. Mit einer schnellen Bewegung führt sie das Feuer zum Mund, kurz wirkt es so, als zünde das Mädchen seine Zunge an.

Mindestens fünf Mal wiederholt sie die Bewegung, spielt mit dem Feuer, als könne es ihr nichts anhaben. Bahar ist ein furchtloses Kind. Schließlich spielt sie mit einer Schulfreundin Theater. „Da brauche ich Mut“, sagt sie in der Vorstellungspause. Mit ihren Freunden sitzt sie auf den Gartenstühlen vor dem Jugendzentrum Klingerhuf. Doch das geht nicht lange gut: „Ich muss doch gleich wieder rein, den Tusch spielen“, erklärt sie, hüpft auf ihrem Platz auf und ab. Sie erwähnt noch das Küchenpapier, das sie einmal mit einem Feuerzeug angezündet und dann sofort unter fließendes Wasser gehalten hat. Kein Wunder, dass ihre Schwester ihr so einiges zutraut. Die anderen Kinder grinsen, als Bahar schnell in Richtung Zelt verschwindet. „Ich habe mich sogar einmal ganz leicht an der Zunge verbrannt“, gesteht Niclas (9), ebenfalls Fakir. „Dabei macht die Bahar das viel brutaler als wir“, sagt Tim (9). Die beiden Jungen sind seit vielen Jahren befreundet, machen Kampfsport und sind froh, sich in diesem Jahr wieder bei den Ferienspielen des Neukirchener Erziehungsvereins am Klingerhuf getroffen zu haben.

„Das war total cool, der Zirkusdirektor Claude und sein Team haben uns Akrobatik vorgeführt, Tricks mit Lunasticks gezeigt oder das Teller drehen erklärt“, erzählt Niclas. „Wir durften uns dann aussuchen, was wir gerne üben möchten.“ Tim hat vor kurzem für den orangefarbenen Gürtel ein Brett mit seiner Hand zerschlagen – für ihn kam also nur die risikoreichste Kategorie, das Feuerschlucken, infrage. Doch auch die Mädchen, die beim sogenannten Poi, einem Tanz mit Tüchern und Sandsäckchen mitgemacht haben, werden von Tim und Niclas bewundert. „Die können es halt“, lautet ihr Kommentar. Eines der Mädchen, Mia (8) von der Pestalozzischule, berichtet von einem anderen Zirkus, bei dem sie und ihre Mitschüler bereits mitmachen durften, und dass damals eine Hand gebrannt habe. Tim und Niclas machen große Augen. Dann bricht die Gruppe zum Zelt auf.

Dort bilden die Akrobaten gerade in orangefarbenen T-Shirts mehrere kleine Formationen, die an das altbekannte Bild der Bremer Stadtmusikanten erinnern. Das Zelt hat sich aufgeheizt, Außentemperatur: 36 Grad. Bahar, die vor und nach jedem Act „den Tusch spielen“ darf, steht der Schweiß noch immer auf der Stirn. Vielleicht war es doch die Hitze. Sie trotzt ihr mit einem stolzen Lächeln.