Der Brandschutzbedarfsplan wird in Rheurdt zum Politikum.

Erste Information im Ratssaal : Der Brandschutzbedarfsplan wird in Rheurdt zum Politikum

Eigentlich ist der Brandschutzbedarfsplan eine Faktensammlung über Größe und Ausstattung der Feuerwehr. Genau darüber streitet in Rheurdt die Politik.

Die Rheurdter Feuerwehrleute nahmen vor allem diesen Satz von Brandschutzberater Simon Zens mit nach Hause: „Ein Feuerwehrgerätehaus, das niemand von den Einsatzkräften zu Fuß erreichen kann, macht keinen Sinn.“ Politiker von Grünen, SPD und Teilen der FDP horchten hingegen auf, als Zens die eherne Acht-Minuten-Regel für die Zeit zwischen Alarmierung und Eintreffen der ersten Retter am Einsatzort in Frage stellte: „Diese gilt, wenn überhaupt, für eine großstädtische Umgebung.“ Die Erstinformation über den neuen Brandschutzbedarfsplan von Rheurdt hatte rund 30 Zuhörer im Ratssaal versammelt. Was anderswo eine staubtrockene Angelegenheit sein mag, ist in Rheurdt knisternde Politik.

Salopp gesagt, soll der Brandschutzbedarfsplan dafür sorgen, dass in einer Gemeinde fünf Jahre lang nichts anbrennt. Gebäude, Personalstärke, Fahrzeug- und Technikkonzept werden von externen Experten durchleuchtet und mit den Anforderungen abgeglichen, die sich aus einer Kommune heraus ergeben. Leben die Menschen dort in Ein- und Zweifamilienhäusern oder in mehrstöckigen Gebäuden? Gibt es viele „Gefahrenstellen“? Das können Altenheime oder große Chemieanlagen sein – Orte also, die die Feuerwehr bei einem Einsatz vor besondere Herausforderungen stellen würden. Gibt es Autobahnen, Bundesstraßen oder Schienenstrecken im Einsatzgebiet – auf denen sich besonders schwere Unfälle ereignen können? Am Ende werden Soll und Ist abgeglichen und Maßnahmen vorgeschlagen, beides in Deckung zu bringen.

In Rheurdt hat die Verwaltung einerseits Experten mit der Planung beauftragt – die Viersener Berater von Luelf & Rinke. Zudem wird es eine Arbeitsgruppe aus Feuerwehr, Politik und Verwaltung geben, die den Prozess begleitet. Bei der ersten Information durch Berater Simon Zens wurden die Knackpunkte deutlich. Denn die Rheurdter Feuerwehrspitze ist aus Protest gegen mangelnde Rückendeckung von SPD, Grünen und Teilen der FDP zurückgetreten. Um das seit Jahren dringend benötigte Feuerwehrgerätehaus gibt es Streit über den Standort und Größe.

All dies wird die Arbeit am neuen Brandschutzbedarfsplan von Rheurdt beeinflussen. Das wurde im Ratssaal deutlich. Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen brach die Diskussion geradezu ab: „Lassen sie uns doch erst die Fakten zusammentragen – und dann auf dieser Basis diskutieren.“ Etwa ein Jahr lang werde die Arbeit am neuen Brandschutzbedarfsplan dauern, schätzte Berater Zens; sechs bis acht Monate wären eine extrem schnelle Zeit.

Währenddessen werden die Planungen für das neue Feuerwehrgerätehaus Rheurdt weitergehen.

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