Neukirchen-Vluyn: Denkmal des Krieges oder des Friedens?

Neukirchen-Vluyn: Denkmal des Krieges oder des Friedens?

Die Diskussion um die Benennung eines Platzes in Neukirchen geht weiter. Die Fraktion NV Auf geht's kritisiert jetzt den Ursprung des dortigen Denkmals in der Revanchepolitik der 1920er-Jahre.

Die Diskussion um den Platz an der Andreas-Bräm-Straße geht weiter. Nachdem sich die Kritik zunächst an der geplanten Namensgebung Wilhelmine-Bräm-Platz entfacht hatte (die RP berichtete), wird nun der Gegenvorschlag des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) heftig attackiert. Dieser hatte sich für einen Bezug auf das dort befindliche Ehrenmal für die Kriegsgefallen stark gemacht.

"Der vom Heimat- und Verkehrsverein im Namen seiner 500 Mitglieder vehement vertretene Vorschlag Denkmalplatz ist in unseren Augen unakzeptabel", heißt es in einer Pressemitteilung der Ratsfraktion NV Auf geht's. Darin verweist der Fraktionsvorsitzende Klaus Wallenstein auf die Errichtungsurkunde des Denkmals aus dem Jahr 1927. "Diese Urkunde ist keine Mahnung für den Frieden, sondern ein Dokument der Revanchepolitik. Ein Dokument der Vorbereitung eines neuen imperialistischen Krieges, der dann zwölf Jahre später mit dem Zweiten Weltkrieg zum größten Verbrechen an der Menschheit wurde", heißt es dort weiter. Entstanden sei das Dokument damals unter tatkräftiger Mithilfe von Peter Bongardt, einem Mitglied des antisemitischen "Stahlhelm"-Verbandes. Zudem erhalte die Gründungsurkunde nicht ein einziges Mal das Wort "Frieden". Schließlich fragt Wallenstein: "Stehen die Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins alle in der Tradition dieser Vereine?"

Foto: Stadtverwaltung Neukirchen-Vluyn

"Die Mitteilung ist eine ziemliche Zumutung", entgegnet der HVV-Vorsitzende Hans-Peter Burs. "Man muss das auch im Spiegel der Zeit sehen. Dass die Sprache eine andere war, ist klar." Zwar wurde das Monument als Kriegerdenkmal gebaut, doch diene es heute als Mahnung für den Frieden. "Wir gedenken heute den Toten in allen Kriegen, allen die einfach so aus dem Leben gerissen wurden. Wäre Herr Wallenstein einmal zu unseren Veranstaltungen erschienen, wüsste er das auch", sagt Burs. Es gehe dem HVV darum, die Tradition zu bewahren. "Das Denkmal ist allen bekannt, da sollte auch der Name in Bezug hierzu stehen."

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Krista Horbrügger unterstützt hingegen das Anliegen der NV Auf geht's-Fraktion. Die pensionierte Geschichtslehrerin forscht schon seit langem zum Aufstieg des Nationalsozialismus in Neukirchen-Vluyn. "Ich hätte die Pressemitteilung nicht so zugespitzt formuliert, aber die Fakten sind richtig", sagt sie. Die Errichtungsurkunde des Denkmals atmet für sie den Gedanken einer Schmach von Versailles, die nicht ungesühnt bleiben sollte. "Das Zeitdokument ist zweifellos revanchistisch", bestätigt Horbrügger. Nicht nur deshalb engagiert sie sich für den Wilhelmine-Bräm-Platz. "Es ist an der Zeit, eine engagierte Frau in den Vordergrund zu stellen. Der Name Platz am Denkmal ist rückwärtsgewandt und nicht mehr zeitgemäß."

"Die Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Vereine" hatte noch ein weiteres Ehrenmal in Vluyn errichten lassen. Beide Gedenkstätten gehören zusammen, wurden vom gleichen Künstler entworfen. Dort wurde der Satz "Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen" in den Sockel eingraviert. Der Autor Heinrich Lersch verherrlichte immer wieder den Nationalsozialismus, die Zeile wurde später zur Parole der Hitlerjugend. In den 1980er-Jahren wurde das Denkmal in Vluyn ergänzt. Dort ist nun ein Gedenkstein für die Verfolgten der NS-Zeit zu sehen. Auf ihm prangen Dietrich Bonhoeffers Worte: "Nicht durch Zertrümmerung, sondern durch Versöhnung wird die Welt überwunden."

(mlat)