Bosnien-Hilfe aus Neukirchen-Vluyn: Kroatischer Orden für Ehepaar Hölz.

Bosnien-Hilfe aus Neukirchen-Vluyn : Kroatischer Orden für das Ehepaar Hölz

Bosnienhilfe der Neukirchen-Vluyner ist auf dem Balkan anerkannt.

Auf Einladung der kroatischen Ministerpräsidentin Kolinda Grabar-Kitarović reiste der für seine Bosnienhilfe bekannte und engagierte Heribert Hölz zusammen mit seiner Frau Ursula Ende Juni nach Zagreb. Überraschend wurden der 76-jährige aus Neukirchen-Vluyn und seine Frau nur eine Woche zuvor telefonisch eingeladen, um von der Präsidentin persönlich für ihre Leistungen geehrt zu werden. Neben ihnen waren über 70 Personen eingeladen: kroatische Politiker, Wissenschaftler, Musiker und Künstler.

Warum wurde das Ehepaar von der kroatischen Ministerpräsidentin eingeladen, wenn es sich doch für Hilfe in Bosnien-Herzegowina einsetzt? Laut Hölz kümmert sich die, nach seiner Einschätzung, korrupte Regierung Bosniens kaum um die bittere Armut der Bürger. Die Teilung in zwei Gliedstaaten und die generelle Komplexität des Systems mache die Situation noch komplizierter. Zudem ist die Bevölkerung seit dem Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 ethnisch und territorial getrennt. Neben den sogenannten Bosniaken, den muslimischen Bürgern, leben auch Serben und Kroaten im Land. Wegen den kroatischen Bosniern, denen Hölz half, hatte die kroatische Regierung offenbar das Bedürfnis, ihm zu danken.

Allzu wichtig sind dem seit zwölf Jahren pensionierten Entwicklungshelfer die Titel nicht. Es geht ihm weiterhin vor allem um die Bosnienhilfe. Hölz wurde auch vom Fernsehen eingeladen, und führte dort am Tag nach der Ehrung ein etwa 45-minütiges Gespräch mit einer Moderatorin.

Seine nächste Bosnienreise, die 91., ist bereits geplant. Vom 12. bis zum 22. Oktober wird Hölz seine vielen Projekte wieder mit Spendengeldern fortführen. Unter anderem finanziert er eine Suppenküche in Zenica, eine Stadt mit einer immens hohen Arbeitslosenquote. Immerhin 121 Mahlzeiten werden dort pro Tag an extrem arme Bürger verteilt. Vor der Reise besucht Hölz viele Kindergärten und Grundschulen und sammelt dort Spenden, um direkt im Land kleine Schafherden für arme Bauern zu kaufen, die keine Tiere mehr haben. Er nennt diese Tierspenden „Hilfe zur Selbsthilfe“, da die Familien über längere Zeit etwas von den Tieren haben als von einmaligen Spenden und sich im besten Fall irgendwann wieder selbstständig ernähren können. Das Ehepaar kocht auch selbst Marmelade, um weiteres Geld zu sammeln. Pro Jahr stellen sie zwischen 5000 und 6000 Gläser her.

Hölz weiß, wie es ist, nach einem Krieg zu leben und fast alles verloren zu haben. Er selbst wurde während des Zweiten Weltkriegs geboren. Deshalb ist er auch der festen Überzeugung, anderen helfen zu müssen, die nicht einmal genug zum Überleben haben. Und das mit Erfolg: Alleine seit seiner Pensionierung im Jahr 2007 hat er über 1,8 Millionen Euro an Geldspenden für die Bürger Bosniens sammeln können, die Sachspenden sind dabei noch nicht mit einberechnet. Eine beachtliche Zahl, die zeigt, wie viel die Anstrengungen einzelner Personen bewirken können.

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