Billige Schokolade und Textilien haben hohen Preis

Dank der Stadt : Fair gehandelte Produkte machen in Neukirchen-Vluyn Schule

Die Städtische Gesamtschule hat ein fairtrade-Zertifikat bekommen. Dem gingen zwölf Monate Projektarbeit voraus.

(dne) Manchmal hat das Politiker-Leben so seine Schokoladeneis-Seiten. Gestern war so ein Tag für Bürgermeister Harald Lenßen. Im kühlen Schatten auf der Wiese neben dem Rathaus empfing er Schülerinnen und Schüler des „Arbeitskreises fairtrade“ und Lehrerin Gabriela Tersteegen. Der Anlass: Die städtische Gesamtschule Neukirchen-Vluyn ist die erste „fairtrade school“ der Stadt. Mit Zertifikat und allem Drum und Dran. Dafür gab es als Dankeschön eine ordentliche Portion Vanille- und Schokoladeneis - natürlich aus fairem Handel.

Vor etwa einem Jahr hatte sich an der Gesamtschule ein Arbeitskreis aus Schülern, Lehrern und Eltern auf den den Weg zur Zertifizierung gemacht. Innerhalb von zwölf Monaten mussten fünf Punkte abgearbeitet werden. Der Arbeitskreis schrieb einen fairtrade-Kompass, gewissermaßen das Handlungskonzept. Seither machen sich die Schülerinnen und Schüler im Unterricht Gedanken, unter welchen Bedingungen die Schokolade hergestellt wird, die manche bis dahin achtlos verschlangen. Oder wer all die preiswerten T-Shirts und Hosen näht, aus der hierzulande dann die Mode entsteht. Oftmals steht Kinderarbeit dahinter.

Am Schulkiosk der Gesamtschule gibt es mittlerweile drei fairtrade-Produkte zu kaufen: einen Orangensaft, einen Sesam- und einen Schoko-Riegel. Der Verkauf von fairtrade Produkten auf Stadtmarketing-Veranstaltungen, die Behandlung des Themas im Unterricht und verschiedene Dokumentationen ebneten den Weg zum Zertifikat.

„Beeindruckend war dabei der Besuch des Hope Theatre aus Nairobi zur „fairen“ Verteilung von Wasser“, so Lehrerin Gabriela Tersteegen. Hinterher habe sie Produkte eines Lebensmittel-Multis aussortiert, der in Afrika öffentliche Wasserquellen erwirbt und Wasser teuer verkauft. Maren (13) aus der Klasse 7E hat im Laufe des zurückliegenden Jahres gelernt, dass es sich lohnt, nach fairtrade-Produkte zu fragen. „Viele sind mittlerweile nicht mehr deutlich teure als gewöhnliche Produkte.“ Finnja (12) aus der 6C ist stolz auf ihre Mutter: „Die hat auch vorher schon darauf geachtet, was wir kaufen.“

Am Ende stand die offizielle Auszeichnung, die Bürgermeister Harald Lenßen zum Anlass nahm, allen Beteiligten für den bemerkenswerten Einsatz zu danken. Das Zertifikat ist auch ein wichtiges Zeichen für die Stadt auf dem Weg zur erneuten erfolgreichen Rezertifizierung als fairtrade Stadt. Von Seiten der Stadt betreute die Agenda-Beauftragte Marion May-Hacker das Projekt. Sie unterstützt gern auch weitere Schulen auf ihrem Weg zu einer möglichen Auszeichnung.