Bei der Bürgerversammlung in Vluyn ging es um Schrott-Immobilien

Bürgerversammlungen in Neukirchen-Vluyn beendet : Schrott-Immobilien als Streitthema

Mehr als 220 Zuhörer kamen zur Bürgerversammlung Vluyn in die Kulturhalle. Zur Hochhaus-Ruine und Vluyner Nordring gab es Klartext.

Mit deutlichen Worten hat Bürgermeister Harald Lenßen Vorwürfe einer Vluyner Bürgerinitiative zurückgewiesen, er persönlich tue seit seinem Amtsantritt im Jahr 2009 nichts, um die Wohnsituation in Vluyn zu verbessern. Dabei trennte Lenßen das Schrott-Hochhaus von den übrigen, derzeit überwiegend leerstehenden Immobilien im Vluyner Norden, die der Peach Property gehören.

Nachdem der Eigentümer des Hochhauses nur Versprechen gemacht und nicht gehandelt habe, beschreite die Stadt nun mehrere Wege, um einen Abriss der Immobilie zu erreichen. Der Rat habe die Verwaltung beauftragt, im Vluyner Norden ein Sanierungsgebiet einzurichten; dies würde unter anderem die Position der Behörden gegenüber den Hauseigentümern stärken. Zugleich betreibe die Stadt aufgrund von Außenständen ein Zwangsversteigerungs-Verfahren gegen den Eigentümer des Hochhauses. Außerdem  habe ihm die Stadt ein Kaufangebot unterbreitet. Und: Der Kreis Wesel gehe mit Ordnungsverfügungen gegen die Zustände rund ums Hochhaus vor. „Für all diese Verfahren brauchen wir – leider – viel Geduld“, sagte Lenßen.

Mehr als 220 Bürger kamen am Montag abend in die Kulturhalle zur Bürgerversammlung Vluyn. Foto: Dirk Neubauer

Demgegenüber habe die Peach Property im Vluyner Süden gezeigt, dass sie Häuser sanieren und die Wohnungen anschließend vermieten könne. Für Vluyn Nord sei im Jahr 2019 die Sanierung von 80 bis 100 Wohnungen angekündigt:

Zuvor hatte sich der Initiator der Bürgerinitiative, Günter Broschk, nach dem Vortrag von Lenßen zur Stadtentwicklung als erster zu Wort gemeldet. Broschk forderte den Abriss aller leerstehenden Häuser im Umfeld des Hochhauses: „Solch ein heruntergekommenes, schändliches Bild wie dort hat diese Stadt nicht verdient.“ Die Initiative zeigt nach Kamp-Lintfort und Duisburg. Dort sei es viel rascher gelungen, sich vergleichbarer Schrottimmobilien zu entledigen. Falls die Stadt nicht wisse, wie man das mache, gebe es Broschüren des Bundesbauministeriums zum Thema, sagte Broschk spitz. Seine Vorwürfe wurden von vielen Bürgern nicht geteilt, wie Aufforderungen zeigten, nun doch endlich eine Frage zu stellen.

Lenßen erinnerte in seiner Antwort daran, dass erst im Jahr 2014 der gesamte Immobilienbestand des zahlungsunfähigen Investors Nau zur Zwangsversteigerung gestanden habe. Damals habe er kein Mandat gehabt, mitzubieten. „Und das war auch gut so, weil es nicht nur um das Hochhaus, sondern um 600 Wohneinheiten in einem schlechten Zustand ging.“ Dieses Paket hätte die Finanzkraft von Neukirchen-Vluyn überfordert.

Auf die Nachfrage einer Bürgerin nach akuten Gefahren durch Asbest im überwiegend fensterlosen Hochhaus antwortete Lenßen mit einem Hinweis auf Schadstoffexperten: „Solange dort niemand arbeitet, besteht keine Gefahr.“ Vor einem Abriss müsse das Hochhaus komplett „eingehaust“ werden.

Weitere Themen waren der fehlende Fahrradweg entlang der Nieper Straße – dafür sei StraßenNRW der Ansprechpartner, da es sich um eine Landstraße handele. Während viele Vluyner das Gedrängel von Omnibussen, Autos, Radfahrern und Fußgängern im Dorfkern kritisierten, sieht Lenßen darin eher einen Vorteil: „Dort müssen alle aufmerksam sein und langsam fahren.“ Ein Fragesteller kritisierte die Schließung der Vluyner Büchereifiliale, ein anderer Bürger wies darauf hin, dass der Weg zur Neukirchener Stadtbibliothek nicht weit sei.