Bauern in Neukirchen-Vluyn: Importierte Probleme in Gülle und Fülle.

Bauern in Neukirchen-Vluyn : Importierte Probleme in Gülle und Fülle

Rund 1,4 Millionen Tonnen Gülle importiert NRW aus den Niederlanden. Bei jedem dritten Transport fanden Kontrolleure Unregelmäßigkeiten.

Seit dem 31. Januar rollen sie wieder: große Tankbehälter voller Wirtschaftsdünger. Dass viele davon niederländische Kennzeichen tragen, ist im Rahmen eines Binnenmarktes erwünscht. Für Gülle gibt es regelrechte Börsen. Sehr vereinfacht: In den Niederlanden stehen zu viele Rinder, Schweine und Schafe auf zu wenig landwirtschaftlicher Fläche. Dort entsteht ein Gülle-Überschuss. Rings um Neukirchen-Vluyn gibt es viele Felder mit Getreide-, Mais- und Gemüseanbau. Und einen gewissen Bedarf an natürlichem Dünger. Gleichzeitig fördern aber auch drei Brunnen das Trinkwasser für Neukirchen-Vluyn: Vinn I und II, südlich von Moers, und Niep-Süsselheide. Dass alle drei bislang unterhalb des Grenzwertes von 50 Milligramm Nitrat pro einem Liter Wasser bleiben, muss hart erarbeitet werden.

Die Landwirtschaftskammer schreibt in ihrem „Nährstoffbericht 2017“, dass der Import von Wirtschaftsdünger aus den Niederlanden in die Kreise Wesel und Kleve von 2013 bis 2016 um 60 Prozent zurückgegangen sei. Zugleich hat das Versorgungsunternehmen Enni zahlreiche landwirtschaftliche Flächen rund um die Trinkwasserbrunnen gekauft und an Bauern verpachtet. Mit strengen Auflagen für die Düngung.

Bis hierhin klingt alles ganz sauber. Doch im Hintergrund scheinen schmutzige Geschäfte zu laufen. So teilte das NRW-Umweltministerium mit: 2017 wurden landesweit über 2500 Gülle-Empfänger nach Aktenlage kontrolliert, davon anschließend rund 1280 vor Ort. „Daraus ergaben sich 614 Beanstandungen. Weitere 716 Ordnungswidrigkeitsverfahren ergaben sich aus Anzeigen.“ Im vergangenen Jahr seien Bußgelder bis zu 1,35 Millionen Euro erhoben worden. Originalton aus dem Düsseldorfer Ministerium: „Insgesamt gibt es darauf aufbauend regelmäßig Verfahren wegen Verstößen gegen Meldepflichten bei Aufnahme niederländischer Gülle.“

Laut einem Bericht des Ministeriums sind rund ein Drittel der Lieferungen von Wirtschaftsdünger aus den Niederlanden nach Nordrhein-Westfalen falsch dokumentiert. Diese gingen an nicht vorhandene Betriebe in Deutschland, an falsche Adressen oder zu Betrieben, die später angaben, nie eine Lieferung erhalten zu haben.

Die Aussicht, aus Fäkalien bares Geld zu machen, setzt ganz offenbar enorme Energien frei. So werden Gülletransporte in den Niederlanden mittlerweile per Satteliten-Ortung überwacht. Kaum haben diese Transporte NRW erreicht, funktioniert das System nicht mehr. Zehn bäuerliche Betriebe im niederländischen Limburg erhielten im Rahmen einer länderübergreifenden Razzia Besuch von deutschen Staatsanwälten und Ermittlern. Gewispert wird von einem Unternehmen aus Kempen, der die illegale Verteilung von Gülle aus dem Nachbarland auf hiesigen Feldern angeblich organisiert.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will die erst 2017 erlassene Düngeverordnung nachbessern. Denn der Europäische Gerichtshof hat Deutschland wegen zu schlampigen Umgangs mit der EU-Nitratverordnung dazu verurteilt.

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