Baudenkmäler in Rheurdt: Der Vaetshof zeigt sich wie vor 100 Jahren.

Baudenkmäler in Rheurdt : Der Vaetshof zeigt sich wie vor 100 Jahren

Johanna und Heinz Hegmans wollen den Saelhuysener Vierkanthof nun komplett unter Denkmalschutz stellen lassen.

Mathilde Hegmans war sehr deutlich. „Wenn die Weißdornhecke wegkommt, gehe ich nicht mehr in den Garten“, soll sie zu ihrem Mann Johannes Hegmans gesagt haben, als dieser darüber nachgedacht hatte, die Hecke, die durch Blätter, Blüten und Früchte jeden Monat ihr Aussehen ändert, in den 60er Jahren durch einen Jägerzaun zu ersetzen. Genauso rigoros soll sie sich in den 70er Jahren gegen Gedanken gewendet haben, am Haupthaus die individuelle Haustüre und Fenster aus Holz durch industrielle aus Aluminium zu ersetzen.

So gingen die Moden der 60er und 70er Jahre am Vaetshof vorbei, der in Saelhuysen liegt und an Stenden grenzt. Dabei war das Haupthaus modische Avantgarde, als es 1917 von den Aldekerker Baumeistern Gerhard und Wilhelm Hoyer (siehe Info-Kasten) geplant und 1918 neu gebaut wurde, nachdem das Vorgängergebäude bis auf die Grundmauern abgebrannt gewesen war. Sie verbanden den ornamentalen Jugendstil mit Elementen des Expressionismus, der sich im Laufe des Ersten Weltkrieges etablierte. Zum Beispiel setzten sie fiktive Klappläden mit einem anderen dunkleren Putz ab.

Johanna Klümpen-Hegmans und Heinz Hegmans vor ihrem Hof. Foto: Arnulf Stoffel (ast)

Die Bauzeit ist ungewöhnlich. Im Ersten Weltkrieg herrschte deutschlandweit ab 1915 ein allgemeiner Baustopp, weil die jungen Männer als Soldaten gebraucht wurden. „Ich denke, die Handwerker wurden mit Naturalien bezahlt“, sagt Johanna Klümpen-Hegmans. „Bauern hatten sie, Bauarbeiter bekamen sie nur, wenn sie gebaut haben.“ In der Küche, im Waschraum und im Hausflur versahen die Handwerker die Wände mit Fliesen mit Jugendstilornamenten, den Boden mit Steingutplatten, die noch heute dort zu finden sind. Heinz Hegmans und Johanna Klümpen-Hegmans, die 1986 heirateten und heute auf dem Vaetshof leben, lieben sie. Der Landwirt und die Kerkener Gemeindearchivarin restaurierten das Haupthaus mit Blick auf dessen Geschichte, das in ihrem Hochzeitsjahr unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die weiteren Flügel bauten sie zurück, so wie sie sich in Plänen von 1922/1923 zeigen, als der westliche Flügel des Vaetshofs umgebaut wurde, der 1401 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird und seit 1914 im Eigentum der Familie Hegmans ist. „Bei einer Vierkantanlage ist der Innenhof von vier Gebäuden umgeben“, erläutert Heinz Hegmans. „Dieser Innenhof ist über ein nördliches und ein südliches Tor zugänglich. Wenn die Tore abends zu sind, kann kein Mensch mehr herein und kein Tier mehr heraus.“

Anfang 2019 beantragten er und seine Frau bei der Gemeinde Rheurdt, den Denkmalschutz auf die gesamten Vierkanthof zu erweitern. „Denkmalschutz ist kein Feind“, begründet Heinz Hegmans den ungewöhnlichen Schritt, weil Eigentümer nur sehr selten Denkmalschutz für ihre Gebäude beantragen. „Wir denken über Generationen. Die Vierkanthofanlage soll langfristig erhalten bleiben.“

Gleichzeitig wollen er und seine Frau die Funktion der nördlichen Scheune ändern, in der vor 100 Jahren Getreide gelagert wurde und heute Kartoffeln lagern. Die Eigentümer möchten einen Teil davon zu einem Wohnraum umbauen, den ihre Tochter Anika mit ihrem Mann Marius nutzen soll. Die Pläne sind fertig. Ob Johanna und Heinz Hegmans den Umbau beginnen können, entscheidet das Rheinische Denkmalamt in Brauweiler bei Pulheim, nachdem der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Ökologie in seiner jüngsten Sitzung der Unterschutzstellung bereits zugestimmt hatte.

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