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Awo-Seniorenzentrum Neukirchen-Vluyn: Corona-Mobil bringt Zerstreuung auf Rädern

Willy-Könen-Seniorenzentrum : Corona-Mobil: Zerstreuung auf Rädern

Bewohner und Mitarbeiter des Willy-Könen-Seniorenzentrums lassen sich von der Infektionsgefahr nicht in Panik versetzen. Ein rollender Kiosk hilft jetzt dabei, miteinander im Gespräch zu bleiben.

Ingrid Meichsner lässt sich von Corona nicht unterkriegen. „Da müssen wir durch“, sagt sie. Sie lebt im Willy-Könen-Seniorenzentrum und zählt, wie ihre 91 Mitbewohner- und Mitbewohnerinnen, zu den Menschen, die besonders gefährdet sind. Nachrichten aus anderen Altenheimen, in denen es zu Corona-Infektionen gekommen ist, dringen natürlich auch bis zu dem Neukirchen-Vluyner Awo-Haus durch. Wie jetzt aus Wolfsburg, wo schon mehr als 20 Bewohner eines Heims an Covid-19 gestorben sind. Und doch sei die Stimmung im Willy-Könen-Seniorenzentrum ruhig und gelassen, versichern Marion Alosery und Gerd Schrader vom Sozialen Dienst. „Wir zeigen, dass wir nicht in Panik geraten und die Situation meistern“, sagt Alosery. Diese Botschaft komme bei den Bewohnern und Bewohnerinnen an – siehe Ingrid Meichsner.

Natürlich hat das Awo-Haus Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass das Virus ins Haus kommt. Desinfektionsmittel steht am Eingang und auf den Fluren. Pflegekräfte, die direkten Umgang mit Bewohnern haben, arbeiten unter Schutz. Besucher dürfen das Haus nicht mehr betreten. Nur für die Angehörigen von Bewohnern, die im Sterben liegen, werden – allerdings auch streng geregelte – Ausnahmen gemacht. Trotz allen Schutzes gibt es keine 100-prozentige Sicherheit. „Wir müssen das als realistische Zukunftsoption betrachten“, sagt Gerd Schrader über die Infektionsgefahr. „Wir müssen handlungsbereit sein.“ Notfallpläne liegen vor.

Das Besuchsverbot belastet Bewohner wie deren Familien. „Es ist eine spannende Frage, wer mehr darunter leidet“, sagt Schrader. Jedenfalls habe es mit einigen Familienangehörigen Diskussion gegeben, während Bewohner sich nach dem Motto „Es ist wie es ist“ damit gut arrangiert hätten. „Wir stellen immer wieder fest: Wir können viel von unseren Bewohnern lernen“, sagt Schrader. „Sie gehen sehr besonnen mit der Situation um.“ Das hat mit Lebenserfahrung zu tun. „Viele haben schon früher extreme, schlimme Situationen erlebt, Zeiten der Unsicherheit und Ungewissheit.“ Wie eine alte Dame, die bei einem Telefonat mit ihrer Familie Tränen vergoss, weil sie ihre Lieben nicht mehr treffen kann – die gleichzeitig aber Zuversicht aus der jetzigen Situation zog. „Danach sagte sie: Wie gut, dass man jetzt wenigstens weiß, wie es den Angehörigen geht.“

Wo aus Gründen der Pflege kein direkter Kontakt notwendig ist, gehen die Leute im Willy-Könen-Seniorenzentrum auf Abstand zueinander. Die vor allem für demente Bewohner wichtigen „Tischgemeinschaften“ fallen ebenso aus wie Gedächtnistraining, Kraft- und Balanceübungen und andere Gruppenangebote. „Die Bewohner ziehen sich stärker in ihre Zimmer zurück“, sagt Gerd Schrader. Deshalb hat sich das Team des Hauses jetzt eine Art mobilen Kiosk ausgedacht, der auf Tour durchs Haus ist. Auf dem Rollwagen, „Corona-Mobil“ getauft, gibt es Tageszeitung und Zeitschriften einen ausleihbaren Radiorecorder samt Musik- und Hörbuch-CDs, Rätsel- und Denksport-Hefte und andere Dinge, aus denen sich die Bewohner bedienen können. „Es ist uns wichtig, einmal am Tag komplett durchs Haus zu gehen und mit allen kurz ins Gespräch zu kommen“, sagt Marion Alosery Es geht um Abwechslung im manchmal trüben Corona-Alltag – auch für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Hauses. In dieser Woche werden am Corona-Mobil auch frische Waffeln gebacken. In der nächsten Woche soll eine Sofortbild-Kamera zur Ausstattung gehören. „Die Fotos werden wir auf Postkarten kleben und als Gruß an die Angehörigen verschicken.“

Auch den Söhnen, Töchtern und Enkeln der Altenheim-Bewohner raten Schrader und Alosery, sich auf die gute alte Sitte des Brief- und Postkartenschreibens zu besinnen. „Ein Telefonat haben alte Menschen oft nach zehn Minuten vergessen.“ Ein Brief mit lieben Worten heitert dagegen immer wieder neu auf.

Einkaufen für ältere Nachbarn, Abholen von Rezepten, Hilfe bei Formularen im Internet uvm. Ob Sie helfen wollen oder Hilfe benötigen in Zeiten von Corona: Auf der Plattform www.rp-gemeinsamstark.de bringen wir Sie alle zusammen. Die Plattform ist auch ein Marktplatz für Dienstleistungsunternehmen aus Handel, Handwerk und Gastronomie.

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