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Autor und Kabarettist Frank Goosen hat den Krippen-Blues in Neukirchen-Vluyn.

Autor und Kabarettist Frank Goosen hat den Krippen-Blues in der Kulturhalle : „Schämen wir uns ? Natürlich !“

Autor und Kabarettist Frank Goosen hat den „Krippenblues“. In der Vluyner Kulturhalle wurde daraus ein kurzweiliger Abend.

Der Mann aus dem Ruhrgebiet erzählte seine Geschichten teils locker-flockig, teils las Frank Goosen aus seinen Büchern vor.. Rund 300 Gäste waren begeistert.Denn alles wirkte so entspannt, als lausche man einem Kumpel, der mit viel Spaß Dönekes erzählt und sie herrlich trocken zu übertreiben weiß: als Sohn in den 70ern, Jugendlicher in den 80ern, Parkplatzwächter in den 90ern und junger Vater vor nicht allzu langer Zeit.

Der erste „Blues“ der Vorweihnachtszeit ereilt Goosen bereits zu St. Martin, wo er den Sinn in einer Veranstaltung nicht erkennen kann, bei der die „Blagen“ und ihre genervten Eltern hinter einem Pferdearsch hertrotten. Am Totensonntag folgt dann die zweite Station der Einstimmung auf das Fest: Es geht mit Omma „na´m Fritthoff na Oppa sein Grapp“. Danach gibt die Geschichte einer morgendlichen Begegnung mit den Zeugen Jehovas mit zerlöcherter Unterhose und Frittenresten auf T-Shirt und Stirn einen lebendigen Einblick in die Welt eines jungen Mannes, der sich mit irdischen Problemen herumschlägt und nicht „spirituell belästigt“ werden möchte. Auch der „Missbrauch von Licht“, der in den Neunzigern mit einer Invasion von blinkenden Lichtern in Wohnzimmerfenstern ausgelöst wurde, geht Goosen „auf den Sack“.

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Aber es gibt auch von nostalgischen Weihnachtsmomenten zu berichten: So stellen die drei Freunde, Protagonisten im Buch „Förster, mein Förster“ fest, dass sie das Video von „Last Christmas“ auswendig kennen und können sich nicht verkneifen, es sich heimlich anzuschauen und sich dabei zu fragen: „Schämen wir uns?- Natürlich!“

Die frühen Erinnerungen des Frank Goosen führen in die Zeit, als er als Einzelkind zu Weihnachten die Audienzen der Verwandtschaft samt gepolsteter Umschläge entgegen nahm. Das Festessen hat er nicht nur wegen der legendären „Rolladen“ seiner Omma und dem Rosenkohl, der „Beilage des Grauens“ in lebhafter Erinnerung. Vielen Zuhörern kam die Tradition bekannt vor, dass dem Vater die Aufgabe zukommt, den Christbaum zu schmücken. Nachdem der Sohn den Vater dabei beobachtet hat, wie er mit dem Brotmesser den Stamm zurechtschnitzt, um ihn in den Christbaumständer zu quetschen, wird dieser reichlich mit Kugeln und von Mutter frisch aufgebügeltem Lametta behangen. Nur, damit diese anschließend feststellen kann, dass der „Herr Vater“ die Lichterkette vergessen hat.

Schließlich kam der Sprachakrobat Goosen auch auf gegenwärtige Weihnachtsleiden zu sprechen, etwa wenn der Kinderrasenmäher das Parkett mit laut knatternden Geräuschen mäht oder das lila Einhorn unheimliche Gesänge von sich gibt. Der bekannte Vorsatz „Dieses Jahr schenken wir uns nichts“ wurde wieder aufgegeben, als seine Frau ihn mit einem Bollerwagen voll Geschenke überraschte und er natürlich mit leeren Händen dastand.

Das Vluyner Publikum hatte Spaß an den witzigen Umschreibungen von bekannten skurrilen Situationen und nicht zuletzt auch an dem trockenen Ruhrgebietshumor in einem vertrauten Zungenschlag.