Neukirchen-Vluyn: Ausstellung im Rathaus erinnert an das Ende des Bergbaus

Neukirchen-Vluyn : Ausstellung im Rathaus erinnert an das Ende des Bergbaus

Prosper Haniel in Bottrop ist die letzte noch fördernde Zeche im Land. Ende des Jahres geht mit ihrer Schließung im Steinkohlebergbau eine Ära zu Ende. Schicht im Schacht auf der ganzen Linie. Für Neukirchen-Vluyn Anlass, an die eigene Bergbaugeschichte zu erinnern. Der Bergbau hat den Alltag in Familien, in der Geschäftswelt, in Vereinen über Generationen geprägt. Eine Schließung erschien mit der Förderung der so begehrten Magerkohle eigentlich undenkbar. Auch die Mahnwache ab 1996 änderte nichts an der Entscheidung, Ende 2001 die Zeche zu schließen. Als das Aus für Niederberg kam, ging buchstäblich eine Welt unter. In Spitzenzeiten arbeiteten 600.000 Kumpel unter Tage. Die Fördermenge lag jährlich bei drei Millionen Tonnen.

Bis heute ist der Bergbau spürbar, und sicher ist auch, Neukirchen-Vluyn hätte sich ohne den Bergbau anders entwickelt. Im Rathaus entdeckt der Besucher in der festen Ausstellung eine Sammlung von Grubenlampen. Die Schutzpatronin, die Heilige Barbara, hat im Eingangsbereich ihren Platz gefunden. "Wir sind uns des Bergbaus sehr bewusst. Niederberg bleibt Niederberg ", sagte Bürgermeister Harald Lenßen gestern bei der Eröffnung einer Ausstellung mit Bildern von Paul-Gerhardt Hammer. Er arbeitete bis 1990 als Ingenieur und ist passionierter Maler. Sein Faible gilt den alten Zechen, die vor dem Abriss stehen. "Wenn ich Zechen spitz kriege, muss ich hin", so der Maler.

2002 war er erstmals auf dem Niederberg-Gelände, der Förderturm war sein erstes Motiv. Er malte Aquarelle vor Ort, nutzte Öl- und Acrylfarben. Akribisch hielt er jeden Tag die Veränderungen fest, für die die Abrissbagger sorgen. Entstanden sind dabei beeindruckende Arbeiten. Der Abbruch der massiven Anlagen nach der Stilllegung ist Thema genauso wie der aktuelle Zustand des Geländes rund um die beiden Fördertürme, dem zentralem Maschinenhaus und den beiden Fördermaschinenhäusern.

"Die Bilder mussten mal aus dem stillen Kämmerlein raus", sagte Hammer. Er hatte zu Jahresbeginn den Kontakt zur Stadt Neukirchen-Vluyn gesucht, um über die Möglichkeit einer Ausstellung zu sprechen. Mit Erfolg. Neben seine Arbeiten hat er Fotos gestellt, die den unversehrten Zustand wiedergeben. Die Ausstellung kann bis zum Sommer im Rathaus besucht werden.

Parallel zur Ausstellung entwickelt das Stadtmarketing gemeinsam mit ehemaligen Bergleuten aus der Stadt eine Führung über das ehemalige Zechengelände. Druckfrisch ist ein Buch zur Sozialgeschichte des Bergbaus, herausgegeben von Klaus Wallenstein, das ab Juni im Handel zu bekommen ist. 100 Jahre "Alte Kolonie" in Neukirchen-Vluyn, so der Titel.

(sabi)