Zu Besuch : Auf Entdeckungstour in Rheurdt

Unsere Autorin war noch nie in Rheurdt und erkundete jetzt die Gemeinde. Das war ihr erster Eindruck.

Ich gebe zu, ich wusste nicht viel über Rheurdt, als ich mich auf den Weg in das Dorf machte. Aber ich hatte mir das Wappen vorher angesehen, auf dem ein Hirsch prangt, und hatte gehofft, welche zu sehen.

Ankunft: Ich will das mit den röhrenden Hirschen direkt nachprüfen – geht aber nicht. Rheurdt zählt zu diesen Orten, in denen mein Telefonanbieter kaum über mobiles Netz verfügt: Datenloch. Also geht die Recherche erst einmal ganz analog voran. Ich besuche das Rathaus, decke mich mit Broschüren, Flyern und Karten zu Rheurdt ein.

Die Kirche in Rheurdt ist von einem Park umgeben. Foto: Marie Ludwig

Wo ich denn am besten hingehen sollte, wenn ich Rheurdt kennenlernen will, frage ich zusätzlich noch eine Passantin. Sie empfiehlt mir, das „Straßendorf“ am besten einmal abzulaufen. Da gebe es den Burgerpark, der sei sehr nett, und eine Kirche. Ich befolge ihren Rat und laufe die Straße entlang. Erster Eindruck: In Rheurdt ist schon ein bisschen was los! Es gibt mehrere Bäcker, eine Fahrschule, einen Optiker, Imbissläden, auf deren Schaufenstern Bilder mit Frauen prangen, die in Pizzastücke beißen. Es gibt eine Poststelle und – aus einem mir nicht ganz offensichtlichen Grund – zwei Filialen der gleichen Versicherung.

Die wichtigsten Rheurdter Institutionen hängen an der Lyra. Foto: Marie Ludwig

Sich zu versichern, scheinen die Rheurdter wohl wichtig zu finden, denke ich und gehe weiter. Vorbei an mehreren Denkmaltafeln, die dokumentieren, dass Häuser eine „aufwendig symmetrische Putzfassade“ oder ein „mehrfach profiliertes Dach­gesims“ besitzen. Dann stehe ich vor der katholischen Kirche St. Nikolaus, und unmittelbar daneben befindet sich eine übergroße Lyra, auf der die wichtigsten Rheurdter Institutionen ihre Embleme zeigen: Sportschützen, Kirchenchor, Landfrauenvereinigung, Gitarrengruppe, Pfadfinder, DLRG – mehr als 20 Gruppen gestalten hier das Dorfleben.

Solche Denkmaltafeln hängen an vielen Gebäuden im Ort. Foto: Marie Ludwig

Beachtlich, finde ich, will mehr von diesen Vereinen sehen und beschließe, Rheurdt nun in die andere Richtung zu erkunden. Laufe wieder vorbei an Versicherungsfilialen, Bäckern, den Pizzafrauen, der Post und verlasse schließlich die Hauptstraße, um eine der größten Sehenswürdigkeiten Rheurdts zu sehen: die Turmwindmühle. Sie wurde bis 1990 renoviert, inzwischen nutzt die DLRG sie als Vereinsheim.

Auf meinem Weg zur Mühle entdecke ich auch, dass es in Rheurdt sogar ein Hallenbad gibt. Der Tennisplatz in unmittelbarer Nähe allerdings scheint niemand mehr aktiv zu nutzen. Kniehoher Beifuß hat sich den Platz zurückerobert. Hingegen aktiv: die Schützen im Ort.

Der Schützenverein hat das Wappen mit Fensterfarben nachgebastelt. Foto: Marie Ludwig

Ihr Vereinsheim ist sogar noch weihnachtlich geschmückt und auf der verglasten Pinnwand prangt das Wappen von Rheurdt – mit weißem Hirsch. Leider bleibt er der einzige, den ich auf meiner Tour entdecke. Sonst kein Röhren in Rheurdt – aber Pferde, die gibt es am Ortsausgang dann doch.