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Neukirchen-Vluyn/Kleve: Anklage: 20 Millionen Euro durch Betrug an der Börse

Neukirchen-Vluyn/Kleve : Anklage: 20 Millionen Euro durch Betrug an der Börse

Unter anderem von Neukirchen-Vluyn aus soll ein 45-Jähriger durch gezielte Falschinformationen Aktienkurse manipuliert haben.

Eigentlich wohnt der hochgewachsene Mann in Dubai, gibt er vor Gericht an. Doch derzeit sitzt er in der Klever Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Das ist aber auch schon alles, was er von sich preis geben will. Weder zur Person noch zur Sache will er sich äußern.

Für "die Sache" braucht der Staatsanwalt rund 20 Minuten. Die Klageschrift ist umfangreich, zusammengefasst aber wird dem 45-jährigen Angeklagten vorgeworfen, den Handel an der Börse manipuliert zu haben - und gemeinsam mit einem Mitangeklagtem dabei einen Erlös von 20 Millionen Euro erzielt zu haben.

Vereinfacht gesagt war die Masche immer die Gleiche: Aktien mit geringem Wert wurden in hohen Stückzahlen gekauft. Dann wurden zum Beispiel im Internet, aber auch per Telefonmarketing, diese Aktien über den Klee gelobt und Anleger mit Ankündigungen großer Kurssteigerungen gelockt. Freilich ohne die Anleger darauf aufmerksam zumachen, welche Bestände dieser Aktien in den eigenen Depots lagerten. Durch diese bewusst gestreuten Gerüchte und vermeintlichen Erfolgsmeldungen wurden immer wieder größere Aktienpakete gehandelt, wodurch der Preis stieg. Das war der Zeitpunkt, zu dem die Angeklagten ihre riesigen Depotbestände verkauften und den Gewinn einstrichen. Der Kurs der Aktien brach hingegen ein, den Anlegern drohten so Totalverluste.

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Der zweite Angeklagte war übrigens gar nicht erst erschienen, lebt in der Schweiz. Fast belustigt zitierte der Vorsitzende Richter Christian Henckel aus dem Schreiben des Verteidigers: Der Mandat "hat mitgeteilt, leider nicht an der Verhandlung teilnehmen zu können". Daher wird sich der in Haft sitzende Angeklagte nun alleine vor Gericht verantworten müssen, das Verfahren gegen den anderen Angeklagten wurde kurzerhand abgetrennt. Doch viel mehr brachte der erste Verhandlungstag dann auch nicht. Denn nach Verlesung der Anklageschrift beantragten die Verteidiger eine Aussetzung, zumindest aber eine Unterbrechung des Verfahrens. Begründung: Erst vor wenigen Tagen sei ein vom Gericht beauftragtes Gutachten in der Kanzlei eingegangen, das man noch nicht habe durcharbeiten und erst recht nicht mit dem Mandanten habe besprechen können.

Dafür, und zur Ausarbeitung einer passenden Verteidigungsstrategie, bräuche er eine Woche, gab der Verteidiger an. Die Aussetzung des Verfahrens wies die Kammer nach eingehender Beratung zwar ab, unterbrach die Verhandlung dann aber bis zum 19. August.

Insgesamt sind für den Prozess 16 Verhandlungstage angesetzt, der Richter Henckel hat aber bereits angekündigt, dass wohl nicht alle der mehr als 40 Zeugen, die bislang geladen sind, auch tatsächlich gehört werden.

(RP)