Am Rand von Neukirchen-Vluyn entsteht eine Heide-Landschaft

Naturprojekt in Neukirchen-Vluyn : Am Rande der Stadt blüht die Heide

Zusammen mit der Heidschnucken-Interessengemeinschaft aus Schwafheim treibt die Stadt ein Naturprojekt voran.

Die Graue Gehörnte Heidschnucke ist ein scheues Wesen. Aber wenn Schäfer Horst Manja sanft pfeift, dann lassen sich die wolligen Tierchen schon mal locken, auch wenn neugierige Presseleute mit Kameras und Schreibblöcken nebst einem Bürgermeister das Herden-Idyll stören. Wir sind in der Heide von Neukirchen-Vluyn. Mit etwas gutem Willen fühlt man sich hier tatsächlich in die vielbesungene Landschaft bei Lüneburg versetzt, wo das Heidekraut Erika violett leuchtet, der Wacholder sprießt, die Schafe weiden und die Welt noch in Ordnung scheint.

„Wo am Niederrhein gibt es Heidelandschaften?“, fragt Bürgermeister Harald Lenßen rhetorisch. Er erblickt in diesem wohl gut einen guten Hektar großen Areal ein Alleinstellungsmerkmal Neukirchen-Vluyns. Und Horst Manja blickt freudig in die Zukunft: „In zehn Jahren werden wir erstaunt sein, was sich hier entwickeln kann. Es braucht Geduld, damit eine Heide gedeihen kann.“ Schon in den 1980er Jahren habe es die Idee gegeben, hier, unterhalb der Stromtrasse, die am Klingerhuf vorbeiführt, ein Stück Wald in eine Heide umzuwandeln, erzählt Manja. „In den letzten Jahren hat man das ein bisschen aus den Augen verloren“, ergänzt Lenßen. Vor einiger Zeit traf er den Schäfer beim Markt der Möglichkeiten in Neukirchen, hörte von der Heide – und war hin und weg. Jetzt wolle die Stadt das Projekt zusammen mit der Schwafheimer Interessengemeinschaft Heidschnucken wieder vorantreiben. Seit ein paar Tagen stehen am Weg, der die Heide durchschneidet, Info-Schilder. Und in den nächsten Wochen werden die Schafe ihren Teil dazu beitragen, dass der karge Sandboden nicht „verholzt“. Bäume haben in einer Heide nichts zu suchen, erklärt Manja. Was die Heidschnucken an Bäumen nicht wegfuttern, werden Mitarbeiter des städtischen Bauhofs samt Wurzeln entfernen.

Zehn Tiere zählt die Herde zurzeit. Sie wird demnächst durch drei Zutreter (Mutterschafe, die in die Zucht gehen) sowie einen Bock ergänzt. „Den haben wir in Müden an der Aller in der Lüneburger Heide ersteigert“, sagt Manja. Er freut sich über ein wachsendes Interesse an der Neukirchener Heide, etwa bei den vielen Hundehaltern, die hier vorbeikommen. „Vielleicht liegt es am Zeitgeist – das Interesse am Klima, unseren Ressourcen, die Hinwendung zur Natur . . .“

Die Heide ist nicht nur schön anzusehen, sie soll auch Heimat für Käfer, Bienen, Vögel, Eidechsen und anderes Getier sein. „Wir haben noch keine Bestandsaufnahme der Tiere, die hier leben“, sagt Manja. „Das könnte eine Schule übernehmen.“ Lenßen will die Gerhard-Tersteegen-Schule ansprechen. „Die machen das bestimmt.“ Dann lässt sich in ein paar Jahren feststellen, wie sich die Fauna mit der Entwicklung der Heide verändert.