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Alltag in der Krise: Eine Familie aus Neukirchen-Vluyn erlebt sich neu

Mit drei Kindern zu Hause : Alltag in der Krise: Eine Familie erlebt sich neu

Jens und Rieke Tönges und ihre drei Söhne versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Klare Regeln helfen dabei.

Für ganz viel Familie sorgt zur Zeit das Corona-Virus. Beispielweise bei Familie Tönges in Neukirchen-Vluyn. „Wir bleiben seit zwei Wochen zu Hause“, sagt Rieke Tönges. Zusammen mit ihrem Mann Jens (42) und den Söhnen Niklas (5), Dominik (9) und Lennard (12) meistert sie den Tag. „Ich arbeite Teilzeit im Krankenhaus und stehe zusätzlich noch auf Abruf bereit“, sagt Rieke Tönges. Ihr Mann Jens ist als Schwimmlehrer momentan ganz zu Hause. Corona, kein Schwimmbad, keine Kurse, lautet die einfache Formel für ihn.

Klare Alltagsregeln mit festen Zeiten geben dem Tag Struktur. Dass Familien in solchen, nicht gekannten Ausnahmesituationen noch schwerer Seegang drohen kann, davon geht sie aus. „Wir erleben uns alle neu und versuchen den Alltag soweit wie möglich zu meistern. Wir haben das Glück, dass unsere Kinder nach draußen in den Garten können“, sagt die 39-Jährige.

Auch das Einkaufen für den täglichen Bedarf behalten sie bei. Dominik und Lennard arbeiten mit den ausgeteilten Schulmaterialien jeden Morgen. App und Schulserver werden zu den wichtigsten Informationsgebern. „Die Kinder haben Zugangsdaten. Aber es kann auch passieren, dass der Server einfach überlastet ist. Niklas hat vom Kindergarten Malblätter bekommen“, so Rieke Tönges.  Auch das sensible Thema Aufräumen wird gemeinsam angegangen. „Unsere Kinder erleben, dass wir als Eltern den ganzen Tag um sie herum sind. Das verbindet neu und anders“, so die 39-Jährige. Wichtig ist ihr das Gespräch mit den Kindern über die täglichen Ereignisse, die über das Fernsehen ins Haus kommen. „Wir gucken zusammen Nachrichtensendungen und sprechen in Ruhe darüber, damit keine Ängste aufkommen. Wir stärken uns gegenseitig und geben den Kindern die nötige Sicherheit. Wir wollen aus der Situation das Beste machen.“ Schließlich sei für die Jungen die Schulschließung schon außergewöhnlich genug. Niklas muss ohne seine Kindergartenfreunde auskommen.

Besonders schwer gefallen ist die Entscheidung, konsequent den direkten Kontakt zu den geliebten Großeltern zu meiden. „Ein wirklich harter Schritt, der wie eine Ausgrenzung wirkt. Aber wir wollen sie schützen. Sie wollen uns schützen, da sie als Selbständige Kundenkontakte haben“, sagt Rieke Tönges. Schwer wurde es, als Niklas Geburtstag hatte, den er ohne Oma, Opa, die Patentanten und Freunde gefeiert hat. Alles wurde abgesagt. „Die Geburtstagsfeier holen wir nach. Das soziale Leben fällt komplett weg. Telefon und App helfen uns, beim Austausch mit anderen“, so Rieke Tönges.

Hart trifft es auch die Patienten, die sie als Krankenschwester betreut. „Bei uns gilt ein Besuchsverbot. Einfach bedrückend, denn man weiß, wie wichtig Besuche für die Genesung sind“, sagt Rieke Tönges. „Man spürt in allen Lebensbereiche die brenzlige Situation.“

 Susanne Krämer-Warda ist Einrichtungsleiterin der evangelischen Kita Pastoratstraße die Niklas besucht. „Vor allem ist es wichtig, bei allen Einschränkungen Ruhe zu wahren und besonnen zu bleiben. Wir wissen nicht, wie lange diese Situation dauert. Wir sollten bewusst entschleunigen und als Familie den Tag strukturieren.

Das heißt, früh aufstehen, Arbeiten und Aufgaben erledigen und sich nicht durch den Tag mogeln“, so ihr Rat. Sie plädiert dafür, den Kindern Rückzugsmöglichkeiten zu geben und einen Wochenplan für alle festzulegen. „Wichtig bei mehreren Kindern ist, dass ein Elternteil jeweils mit einem Kind intensiv Zeit verbringt.“ Zur Harmonie trägt auch bei, Kinder einzubeziehen, so ihr Tipp.