Abends im Museum Neukirchen-Vluyn die Ortsgeschichte entdecken

Historie in Neukirchen-Vluyn : Abends im Vluyner Museum die Ortsgeschichte entdecken

Erstmals öffnete das Museum in Neukirchen-Vluyn zum Rundgang am Abend.

Während in Neukirchen die Nachtwächterführung bei einsetzender Dunkelheit durch die geschichtsträchtigen Straßen von einem Tross begleitet wird, hat das Museum in Vluyn mit abendlichen Museumsgästen noch keine Erfahrung. „Wir wissen nicht, wie viele Besucher sich für unser Angebot interessieren und ob der Zeitraum ab 19 Uhr mitten in der Woche gut gewählt ist“, so die anfänglichen Bedenken von Museumsleiterin Jutta Lubkowski. Verändertes Freizeitverhalten hat auch die stationäre museale Welt vor Ort erreicht. Alle Überlegungen erwiesen sich als unbegründet. Zum Start der Führung durch das ortsgeschichtliche Museum machte sich eine bunt gemischte Gruppe auf den Weg.

Mancher interessierte sich für die Neugestaltung des Museums, das nach den Modernisierung- und Renovierungsarbeiten sein angestaubtes Image abgelegt hat und sich frisch, leicht, hell und übersichtlich präsentiert. Vor allem ist die mediale Aufrüstung eingezogen, allen Einheiten voran der Multimediatisch, der schon bei Berührung Lokalgeschichte in Sekundenschnelle aufploppen lässt und Daten, Ereignisse und Dokumente sichtbar macht. „Die Umgestaltung des Museums und die Konzentration auf wesentliche Bereiche, die die Entwicklung und Geschichte vor Ort bestimmt haben, sind keine Alleinstellungsmerkmale“, so Lubkowski.

„Die Hinwendung zur neuen Technik spielt bei uns in Vluyn die wichtige Rolle, denn lange Texte lesen will kein Besucher mehr“, so die Museumsleiterin. Der Besucher ist daher in der Lage, nach seinem Interesse die Entdeckungsreise in die letzten Jahrhunderte selber zu gestalten. Vielfältig sind die Möglichkeiten der Interaktivität per Knopfdruck am Medientisch, bei dem auf verschiedenen Ebenen Material hinterlegt ist und unter anderem für eine erste zeitliche Orientierung an 26 Stationen sorgt.

Andere Gäste wiederum freuten sich über die vielen Details zur Kirchen-, Handels-, Wirtschafts- und Textilgeschichte, die Jutta Lubkowski in dieser Runde detailreich ansprach. Aber auch die Besucher entpuppten sich als wichtige Zeitzeugen, die manch neue Information einfließen ließen und beispielsweise über Arbeitsbedingungen und Entlohnung mit 90 Pfennig Stundenlohn und Akkordarbeit in örtlichen Fabriken berichteten. Umfangreich gibt sich die Textilgeschichte vor Ort mit dazugehörigen Nischen wie der Brauch, in einem schwarzen Brautkleid zu heiraten. Ähnlich kompakt und informativ die Geschichtsstationen im Obergeschoss, die unter anderem die NS-Zeit wie das Leben der Zwangsarbeiter thematisieren. Auch das hat sich im Museum geändert: Anders als früher kostet der Museumsbesuch ohne Führung keinen Eintritt mehr. Vielmehr wird am Ausgang um eine Spende gebeten. Erste Erfahrungen sind überaus positiv.

Das Museum hat geöffnet mittwochs und samstags 15 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 13 Uhr, 15 bis 17 Uhr.

Mehr von RP ONLINE