Neukirchen-Vluyn: 70 Unterschriften für offenen Durchgang

Neukirchen-Vluyn : 70 Unterschriften für offenen Durchgang

Weil Anwohner der Straße Am Schmitzfeld über Belästigung klagten, wurde der Durchgang zum Terniepenweg gesperrt. Doch das gefällt wiederum anderen Anliegern nicht. Sie möchten die Abkürzung auch weiterhin benutzen.

Warum musste der Durchgang vom Terniepenweg zum Wohngebiet Am Schmitzfeld gesperrt werden? Diese Frage stellen sich offensichtlich mehr Bürger als die Ratsfaktionen erwartet haben. Klaus und Christa Besselmann, Anwohner des Terniepenwegs, hatten sich bereits in einem Leserbrief verärgert über die Schließung des Durchgangs gezeigt.

Und nun legen sie der Verwaltung eine Liste mit rund 70 Unterschriften von Bürgern vor, die erklären: "Wir sind gegen die Schließung der kleinen Durchgangsgasse vom Terniepenweg zum Schmitzfeld und umgekehrt."

Im September hatten Anwohner der Straße Am Schmitzfeld sich beschwert, dass es wegen des Durchgangs große Probleme gebe. Im Schreiben eines Bürgers war die Rede von "stark alkoholisierten ausländischen Mitbürgern", die den Weg als Abkürzung benutzten. Leere Flaschen und Kippen lägen oft herum, auf der Straße ebenso wie auf dem Spielplatz. Diebstähle kämen oft vor, beispielsweise verschwänden "volle Bierkästen", aber in einem Fall auch ein Hochdruckreiniger. Zitat des Schreibers: "Für unsere Kinder und unser Sicherheitsempfinden kein Ruhmesblatt, zumal viele Familien gerade aufgrund der erhofften Sicherheit aus Ruhrgebietsgroßstädten ins eigentlich beschauliche Vluyn gezogen sind."

Dieser Brief wurde kurz darauf Thema im Stadtentwicklungsausschuss. Während die Stadtverwaltung keinen Grund sah, den Durchgang zu sperren, plädierten die Vertreter der CDU für eine Schließung. Die SPD-Vertreter wollten noch einmal das Gespräch mit den Anwohnern suchen, dies hatte die CDU als Verschwendung von Zeit und Geld abgelehnt. Am Ende konnten sich die Christdemokraten mit den Stimmen von FDP/Piraten und NV AUF geht's durchsetzen. Die Grünen stimmten dagegen, die SPD-Vertreter enthielten sich am Ende.

Kurt Best (CDU), stellvertretender Bürgermeister, der nicht allzu weit entfernt vom Schmitzfeld wohnt, hatte seinerzeit Verständnis für die Sorgen der Bürger gezeigt. Es gebe eine gewisse, problematische Klientel, die offenbar von den Häusern am Kiefernweg komme, die zu dem Immobilienpaket des insolventen Bauunternehmers Ottmar Nau gehörten.

Für das Ehepaar Besselmann und die anderen Unterzeichner war die Schließung des Durchgangs dagegen ein überflüssiger Schnellschuss: "Der Polizei sind seit Jahren keine Auffälligkeiten aus dem Bereich bekannt." Die genannten Probleme wie Vandalismus oder Diebstahl seien "total übertrieben" dargestellt worden.

Stattdessen fehle nun eine bequeme Abkürzung: Der Weg sei gern benutzt worden von Jung und Alt, von Eltern mit Kinderwagen, von Menschen mit Rollatoren und Einkaufswagen. Und dies sei den Anwohnern am Schmitzfeld wohl zumutbar. "Wenn sich die Stadt Neukirchen-Vluyn und die Lineg darauf einigen (als Grundstücksinhaber), den Durchgang zuzulassen, so ist das bürgerfreundlich", heißt es in der Begründung der Unterschriftenaktion. Es sei keine gute Idee der Politik gewesen, "die Sache einfach mal so abzunicken".

(RP)
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