Nettetal Zurück zur Natur an der Nette

Nettetal · Nach knapp zweijähriger Vorbereitung beginnt der Netteverband jetzt damit, den naturnahen Ausbau der Nette zu verwirklichen. Für die Planung bildete er eine Kooperation mit Fachgremien.

 An einigen Stelle hat die Nette eine gewisse Natürlichkeit behalten – wie hier in der Nähe von Lobberich. Fachleute wollen hier noch ein wenig nachhelfen, um dem Fluss langfristig auf seiner gesamten Länge zu helfen.

An einigen Stelle hat die Nette eine gewisse Natürlichkeit behalten – wie hier in der Nähe von Lobberich. Fachleute wollen hier noch ein wenig nachhelfen, um dem Fluss langfristig auf seiner gesamten Länge zu helfen.

Foto: Busch

Die biologische Qualität der Nette soll in den kommenden 15 Jahren nachhaltig verbessert werden. Der Netteverband schloss gestern mit seinen Kooperationspartnern die mehrjährige Planung ab, jetzt sollen die festgelegten Ziele schrittweise umgesetzt werden.

Die Europäische Union hat ihren Mitgliedsstaaten aufgegeben, die Qualität von Gewässern als wichtigste Lebensgrundlage zu verbessern. Die daraus abgeleitete Rahmenrichtlinie ist nationales Recht und muss zwingend umgesetzt werden. Die Einzelmaßnahmen an der Nette werden bis 2027 nach heutigem Stand etwa sechs Millionen Euro verschlingen. Das Land fördert dies mit 80 Prozent, also rund 5,1 Millionen Euro. Den Eigenanteil darf der Netteverband übrigens nicht per Umlage kassieren. Zahlen müssen die Städte und Gemeinden im Nettegebiet.

Der Netteverband steht damit vor einer Aufgabe, die bisher nicht seine Pflicht ist. Er ist verantwortlich für Hochwasserschutz und Gewässerunterhaltung. Dazu haben sich Städte und Gemeinden sowie private Besitzer von Gewässern zusammengeschlossen. Maßnahmen, die zur Verbesserung der Umwelt beitragen, sind für ihn neu. Auch deswegen wurde eine Kooperationsgemeinschaft mit Behörden und Ingenieurbüros geschmiedet, die die Planung vornahm.

System von "Trittsteinen"

Konkret heißt das jetzt nicht, dass die Nette von der Quelle in Dülken bis zur Mündung in die Niers bei Wachtendonk umgekrempelt wird. Die Experten haben sich auf ein System von "Trittsteinen" geeinigt: In bestimmten Abständen wird die Nette so gestaltet, dass Fauna und Flora hier besonders gute Lebensgrundlagen vorfinden. Sie sollen in der Lage sein, weniger lebensfreundliche Abschnitte im Fluss zu überwinden und wieder einen Abschnitt zu finden, in dem es sich leben lässt. Die Experten sprechen von einer "Strahlwirkung". Das Programm gilt auch für die Nebenbäche der Nette: Königsbach, Mühlenbach, Pletschbach und Renne.

Manche Tiere – von Kleinstlebewesen bis hin zu Fischen – sind in der Nette ausgestorben. Die Fachleute hoffen, dass sie im Laufe der Jahre aber ihren Weg zurück in das Nettetal finden werden. Nachhelfen werden die Experten dadurch, dass sie beispielsweise Stauwehre abbauen oder durch Bauwerke umgehen – der Netteverband hat schon mehrere Fischaufstiege angelegt. Oder sie nehmen Bäume und Sträucher weg, die hier nicht heimisch sind und ersetzen sie entsprechend.

Die vielen geplanten Einzelmaßnahmen werden mit Aufsichtsbehörden abgestimmt. Einige wenige sind so weitreichend, dass sie genehmigungspflichtige Eingriffe darstellen. Konflikte mit Nutzern, so mit der Landwirtschaft, sollen möglichst vermieden werden. Alle Schritte werden auf freiwilliger Basis, aber nach genossenschaftlichem Prinzip unternommen. Die weitaus meisten Eingriffe fallen ohnehin in die Naturschutzgebiete, die über die Landesebene hinaus einen besonderen Stellenwert genießen. FRAGE DES TAGES

(RP)
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