1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Zum Wohle der Menschen

Nettetal : Zum Wohle der Menschen

Das 1885 eröffnete Marienhospital passte sich stets den Erfordernissen des medizinischen Fortschritts an und hat deshalb als einziges Krankenhaus im Grenzland alle Strukturreformen überlebt. Eine Chronik.

Als offizieller Eröffnungstermin des Marienhospitals gilt der 1. November 1885, doch schon acht Tage vorher, am 25. Oktober, dem Sonntag der Herbstkirmes, haben Lobberichs Honoratioren, allen voran Bürgermeister Theodor Stankeit und Pfarrer Ludwig Hegger, das neue Krankenhaus seiner Bestimmung übergeben. Es hatte acht "nach neuzeitlichen Gesichtspunkten eingerichtete Normalkrankenzimmer" mit insgesamt 24 Betten.

Eine Luftheizung sorgte für die nötige Wärme, Licht spendeten Petroleumlampen, denn Gas kam erst zwei Jahre später von der neuen Niedieck'schen Gasanstalt. 125 Jahre später ist das Marienhospital zu einem 187-Bettenhaus gewachsen, in dem 2009 rund 9500 Patienten behandelt wurden.

Für arme, kranke Menschen

Bereits 1869 hatte Pfarrer Hegger in einer Denkschrift den Vorschlag gemacht, ein Hospital zur Versorgung armer und kranker Menschen zu errichten. Doch das Geld fehlte. Immerhin gab es etwa ab 1870 eine Anlaufstelle für Krankenpflege, die von zwei Ordensschwestern übernommen wurde.

  • Nettetal : Zusammenlegung
  • Nettetal : Für Zukunft gerüstet
  • Nettetal : Krankenhaus für Arme

Das Grundstück an der Straße nach Sassenfeld (damals ein ganzes Stück vom Ortskern entfernt) erwarb die Gemeinde von der katholischen Pfarre. Die Baukosten betrugen 45.000 Reichsmark. Der Neubau machte 1886 auf den Kreisphysikus Dr. Farbeek einen "vorteilhaften Eindruck". Weiter notierte er: "Im ganzen Hause herrschen Ordnung und Sauberkeit in hohem Grade." Betreut wurden die Kranken von Schwestern "der dritten Regel des heiligen Franziskus" aus Münster.

In den folgenden Jahren wuchs der Bau enorm: 1886 entstand ein Ökonomiegebäude mit "Stuben für Alterspfleglinge", 1891 ein "Epidemienhaus" in Barackenform im Garten, 1901 die Kapelle an der Nordostecke, 1904 ein Waschhaus und 1908 ein größerer Schweinestall am Wirtschaftsgebäude.

Die eigene Landwirtschaft trug wesentlich zur Wirtschaftlichkeit des Hauses bei. Auf zwölf Morgen Land wurden vor allem Gemüse und Kartoffeln angebaut, in den Ställen standen neben den Schweinen auch sechs Kühe für die Milchversorgung. In den 1950er Jahren wurde die Eigenproduktion jedoch nach und nach eingestellt.

Einer der größten Umbauten des Marienhospitals erfolgte 1912 für 130 000 Reichsmark. Es entstanden ein aseptischer Operationssaal, Sterilisierungsräume, ein Röntgenraum, ein Personenaufzug und weitere Krankenzimmer. Später kam noch eine zweigeschossige Liegehalle hinzu.

Von Renovierungen und einigen inneren Umbauten abgesehen blieb der Übereckbau bis in die 1960er Jahre erhalten. Die Erweiterung in den Jahren 1962 bis 1964 war praktisch ein Neubau mit dreigeschossigem Bettenhaus und medizinischen Funktionsräumen im Erdgeschoss und einem eingeschossigen Anbau.

Der Neubau wurde Ende August 1964 eingeweiht, drei Wochen, nachdem die Gemeinde Lobberich zur Stadt erhoben worden war.

(RP)