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Nettetal: Zum Studieren über die Grenze

Nettetal : Zum Studieren über die Grenze

Was kostet das Studium in den Niederlanden? Wie groß sind die Gruppen? Gibt es einen N.C.? Beim dritten Hochschultag der Gesamtschule informierten Dozenten der "Hogescholen" über Studiengänge im Nachbarland.

Elena Wellmanns weiß, was sie werden will – und vor allem, wo die Chancen dafür gut stehen. Die 16-Jährige möchte Physiotherapeutin werden. Wenn sie in etwa zwei Jahren das Abitur in der Tasche hat, kann sie sich gut vorstellen, zum Studium in die Niederlande zu gehen. "Der Abschluss dort ist höher angesehen. Denn man macht gleich den Bachelor mit und das Studium ist trotzdem praxisorientiert", sagt die Elftklässlerin – doch sie hat auch noch einige Fragen: Wie läuft der Unterricht genau ab? Gibt es einen Numerus Clausus? Und was kostet das Studium im nur wenige Kilometer entfernten Nachbarland? "Viele unserer Schüler interessieren sich für ein Studium in den Niederlanden", sagt Lehrer Thomas Schulz – deshalb hat er den dritten Hochschultag der Gesamtschule Nettetal unter das Thema gestellt.

Vorlesung in Englisch

Dozenten von drei niederländischen "Hogescholen" – der HAN Fachhochschule, der CAH Dronten und der Saxion Fachhochschulen – besuchten gestern 150 Oberstufenschüler der GE Nettetal. Sie informierten rund um Studiengänge, Voraussetzungen, Finanzierung sowie Vor- und Nachteile. Valerie Warnecke stellte darüberhinaus das Internetportal "Studienscout" (www.studienscout-nl.de) vor. Es gibt einen Überblick über die Studienangebote im Nachbarland und enthält viele praktische Tipps. Die 26-Jährige hat selbst an der FH Saxion Wirtschaftswissenschaften studiert. "Ich kann ein Studium in Holland nur empfehlen: die Lerngruppen sind kleiner, die Betreuung ist sehr persönlich und die Fachhochschulen sind in der Regel gut ausgestattet." Gerade für junge Leute aus dem Grenzland sei ein Studium in den Niederlanden eine große Chance, sagt die gebürtige Hannoveranerin. Es gehe häufig schneller, es gebe keinen N.C. und deutsche Studenten seien willkommen.

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Adrian Oehring (17) findet Niederländisch schwierig. "Mir reicht das schon in der Schule", sagt der Elftklässler und grinst. Das schrecke ihn von einem Studium in den Niederlanden ab. "Diese Angst kann ich nehmen", sagt Warnecke – sie habe im Land schnell die Sprache erlernt. Zudem werden nicht alle Vorlesungen in Niederländisch gehalten, in einigen Kursen ist die Unterrichtssprache Englisch.

Wie es ist, Vorlesungen in Fremdsprachen zu hören, demonstrierte Roel Veen, Dozent für interkulturelles Management an der FH Dronten. Unter dem Titel "It's just not cricket" (frei übersetzt: Es ist nicht alles so fair wie bei der englischen Sportart Cricket, die vor allem von Gentlemen gespielt wird) führte er in das Unileben mit unterschiedlichen Kulturen ein. "Es ist wichtig, über den Tellerrand hinauszuschauen, sich mit anderen Kulturen zu beschäftigen. Es muss nicht ein Studium in den Niederlanden sein, aber ich würde jedem mindestens drei Monate im Ausland empfehlen." Für Szabolcs Devecseri hört sich der Gedanke eines Studiums in Holland vielversprechend an: "Um zum Beispiel Musik zu studieren, würde ich lieber in die Niederlande gehen, als zum Beispiel nach Berlin." Auch Malin Becker (19), die kurz vor dem Abi steht, könnte sich das nach einem Sozialen Jahr gut vorstellen: "Es hat viele Vorteile, vor allem ist es besser zu finanzieren, weil es viel mehr Fördermittel gibt."

Besonders begehrt unter den Schülern der Gesamtschule Nettetal sind laut Lehrer Thomas Schulz Studiengänge im Bereich Wirtschaft und Soziales: "Mit dem Hochschultag wollen wir unsere Schüler motivieren, weiter zu machen und nicht mit dem Lernen aufzuhören."

(RP)