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Nettetal: Zeugnisse lokaler Frömmigkeit

Nettetal : Zeugnisse lokaler Frömmigkeit

Heimatfreunde aus Leuth und Breyell besuchten das frühere Trappistenkloster Uhlingsheide in Tegelen. Der 2007 von seinem Amt entbundene frühere Abt Amandus Prick (93) führte die Gäste durch das Museum der Abtei.

Leuth/Breyell "Das große Interesse überrascht mich aber sehr", gestand Amandus Prick (93), als er sah, wie viele Gäste er durch die einstige Trappistenabtei Uhlingsheide führen sollte. Annähernd 60 Heimatfreunde überwiegend aus Leuth, darunter ein knappes Dutzend Breyeller, besuchten das Kloster an der Grenze im Venloer Stadtteil Tegelen. Den Kontakt hatte Wolfgang Peters aus Leuth hergestellt, der jahrelang die Orgel in der Klosterkirche gespielt hatte.

Der 93-jährige frühere Abt freute sich sehr, zumal die Beziehungen zwischen dem Kloster und Leuth lange sehr intensiv waren. Trappisten hatten vor dem Krieg unter anderem die seelsorgerische Betreuung von Schloss Krickenbeck übernommen. "Unsere Patres wurden nimmer mit der gräflichen Kutsche abgeholt", erinnerte sich der Abt. Bis 1990 betreuten Trappisten auch das Kloster "Maria Helferin" des Ordens "Unserer Lieben Frau" am Leuther Schwanenhaus. Der allmähliche Rückzug des Ordens aus der Einrichtung und Priestermangel setzten dem ein Ende.

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Spiegelbild der Frömmigkeit

Im Mittelpunkt stand am Dienstag der Besuch des Museums. Es zeichne das reichhaltige römisch-katholische Leben der Region beispielhaft wider, erklärte Amandus Prick. Gesammelt hat das Museum eine Vielzahl von Herz-Jesu- und Marienstatuen, private Weihwasserbecken, Reliquienschreine oder auch Hochzeits- und Erstkommuniongeschenke. Manche Vitrinen quellen über mit Devotionalien, nach Heiligen, Festtagen und Themen säuberlich geordnet. "Mit dem Museum ging's mir so wie ihnen mit der Frau. Zuerst denkt man, man bestimmt – dann dominiert es einen", scherzte er.

Anhand der Exponate lassen sich vielfach in Vergessenheit geratene religiös bestimmte Bräuche und Riten nachempfinden. Aber es gibt auch Hinweise auf kirchliche Feste, die bis heute ihre besondere Bedeutung gehalten haben: Der Papst genehmigte vor mehr als 300 Jahren den über das Bistum Lüttich herangetragenen Wunsch, das Sakrament zu verehren. Die ersten Fronleichnamsprozessionen machten sich wenig später auf den Weg. Leuth, Hinsbeck, Kaldenkirchen und Breyell gehörten zum Bistum Lüttich.

Das Trappistenkloster "Uhlingsheide" wurde 1884 errichtet. Es bewirtschaftete 80 Hektar landwirtschaftliche Flächen. Das Mutterhaus der Gründermönche lag in Westmalle/Belgien. Nach der Einweihung 1887 lebten in der Uhlingsheide mehr als hundert Mönche aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden. Doch schmolz der Schweigeorden im späten 20. Jahrhundert dahin. 2002 gehörten der Abtei nur noch neun Mönche an, die 2006 in einen kleinen Neubau zogen. 2007 folgte die Fusion mit der Trappistenabtei Lilbosch in Echt (südlich von Roermond). Abt Amandus zog nun ins benachbarte Pflegeheim Maria Auxiliatrix, im selben Jahr übernahm die Stichting Emmaus Feniks das Kloster, in dem eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Obdachlose untergebracht ist.

(RP)