1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Zellschmelze in der Gerste

Nettetal : Zellschmelze in der Gerste

Die Nettetaler Phytowelt Green Technologies GmbH erhält aus dem Etat des Bundesforschungsministers 324.000 Euro zur Forschung. In den Kölner Labors wird ein Prozess vorbereitet, der Eigenschaften von Gerste fördert.

Die Überraschung ereilte Dr. Peter Welters im Urlaub: Das Bundesforschungsministerium bewilligt seiner Phytowelt Green Technologies GmbH 324.000 Euro zur weiteren Forschung. Das beschert Welters Planungssicherheit für drei Jahre. Er will mit seinen Mitarbeitern einen Prozess entwickeln, der die Herstellung von Hybridgerste vereinfacht. Partner und Auftraggeber ist die süddeutsche Ackermann Saatgut GmbH.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Forschungsministerium, Thomas Rachel, wies gestern im Nettetaler Rathaus darauf hin, dass die Bundesrepublik ihre Zukunft in der nachhaltigen biologischen Wirtschaft sieht. Darum unterstütze das Ministerium Forschungsvorhaben in der Biotechnologie mit dem Ziel, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln oder zu verbessern.

Partner in der Wirtschaft

Phytowelt forscht seit Jahren bereits an verschiedenen Pflanzen die Protoplastenfusion. Das ist die Verschmelzung von zwei Zellen verschiedener Pflanzen, deren Zellwände aufgelöst werden. Im Fall der Gerste fügt Phytowelt Kultur- und ursprüngliche Wildgerste zusammen. Das konkrete Ziel wollte Welters gestern nicht nennen. Er hat sich gegenüber Ackermann zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Welters und seine Mitarbeiter haben an mehreren Pflanzen bereits Protoplastenfusionen vorgenommen. So gelang es, beispielsweise, die Pflanzkartoffel Desiree gegen Kartoffelkrebs resistent zu machen. Phytowelt Green Technologies arbeitet mit zahlreichen in- und ausländischen Firmen zusammen. Die Protoplastenfusion ist der dritte Weg neben der klassischen Kreuzung und der Gentechnik, um Pflanzen zu verändern.

Ziel ist die industrielle Pflanzenbiotechnologie, von der die Zukunft der Menschheit abhängig sein wird. Sie muss im Jahr 2050 die doppelte Menge an Nahrungsmittel produzieren, um zu überleben. Welters fasziniert, dass Pflanzen zum Wachstum außer Kohlendioxid nur Wasser und Luft benötigen. Mit seiner Forschung will er Prozesse verbessern und beschleunigen sowie Eigenschaften fördern.

Der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer, Mitglied im Forschungsausschuss des Bundestages, und der stellvertretende Bürgermeister Harald Post horchten gestern auf, als Welters ankündigte, er könne sich sehr gut vorstellen, dass im entstehenden Gewerbepark Venete in Kaldenkirchen ein innovatives Gewächshaus entstehe. Seinen Sitz hat er am Kölsumer Weg auch gewählt, weil er von dort aus schnell die Forschungszentren Köln und Wageningen/NL erreicht.

FRAGE DES TAGES

(RP)