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Nettetal: Zehn Jahre Palliativmedizin in Nettetal

Nettetal : Zehn Jahre Palliativmedizin in Nettetal

Die Oberärztin Elsbeth Steinforth gab mit einer Fortbildung vor elf Jahren den Anstoß, sich intensiver der Palliativpflege im Krankenhaus zu widmen. Vor zwei Jahren wurde das Haus damit im Krankenhausbedarfsplan aufgenommen.

Die Debatte im Deutschen Bundestag zur Sterbehilfe hat auch die Palliativmedizin schlagartig wieder in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), Prof. Dr. Lukas Radbruch, forderte in diesem Zusammenhang vor wenigen Tagen, "dass jeder Mensch mit einer lebenslimitierenden Erkrankung bei Bedarf bundesweit Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Palliativversorgung erhält". Denn nur 15 Prozent der bundesweit rund 2000 Krankenhäuser verfügen nach Angaben der DGP über eine Palliativstation. Mit sieben Betten steht die Palliativstation im Städtischen Krankenhaus Nettetal als einzige im Kreis Viersen überhaupt im Bedarfsplan des Landes.

Den Grundstein legte das Haus vor mittlerweile zehn Jahren. Elsbeth Steinfort, Oberärztin der Inneren Medizin und ärztliche Leiterin der Palliativstation, gab den Anstoß zur palliativmedizinischen Arbeit. Sie hatte 2003 einen Basiskursus in "Palliativmedizin" besucht und brachte so die Idee nach Nettetal. Den Bedarf der palliativmedizinischen Versorgung gab es schon damals ausreichend - nicht zuletzt durch die bereits etablierte internistische Onkologie.

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Anfang 2004 gründete sich das interdisziplinäre "Palliativteam" mit sieben Mitarbeitern des Hauses aus den unterschiedlichen Bereichen ärztlicher Dienst, Pflege, Sozialdienst und Seelsorge. Heute wird die Kompetenz durch Physiotherapeuten von Nette-Vital ergänzt. Von Beginn an baute das Team seine Kompetenzen durch Weiterbildungen und den regelmäßigen Austausch untereinander stets aus.

So hat sich das beispielsweise Pflegepersonal im Laufe der Jahre speziell fortgebildet. Acht Pflegekräfte der Station 3 sind im Städtischen Krankenhaus Nettetal mittlerweile in Palliativ Care ausgebildet. Zudem durchlaufen jedes Jahr mindestens zwei weitere Pflegekräfte die Weiterbildung. Künftig werden auf diese Weise alle Stationen über entsprechende Fachkräfte verfügen. Auf der ärztlichen Seite ist Elsbeth Steinfort seit Ende 2011 befugt, in Palliativmedizin Kollegen weiterzubilden. Damit ist gesichert, dass die Kompetenz der Ärzte in der Palliativmedizin wachsen wird. Zusätzlich können Patienten seit 2010 mit einer Kunsttherapeutin und seit 2014 mit einer Musiktherapeutin arbeiten. Außerdem können sie die Erfahrung einer Aromaexpertin in Anspruch nehmen.

In den ersten drei Jahren wurde die palliativmedizinische Versorgung im Nettetaler Krankenhaus nur als Konsildienst angeboten. Dabei handelt es sich um eine institutionalisierte Leistung zur Beurteilung und Mitbetreuung von Patienten, die Ärzte für Patienten anfordern können. In der Fortentwicklung dieser Arbeit bauten Elsbeth Steinfort und ihr Team eine eigene Palliativstation auf. So wurden 2007 in Nettetal, im Rahmen der Komplexbehandlung, erste Palliativbetten eingerichtet. Zwei Jahre hatte das Krankenhaus nach Umbauten eine eigene Palliativstation: Spezielle Palliativzimmer mit fünf Betten, ein Raum der Stille sowie eine kleine Küche sind in einem Extraflur in der dritten Etage angesiedelt und optisch durch eine Glastür vom Rest der Station getrennt. Im ersten Jahr betreute das Team auf der Palliativstation 68 Patienten, bis heute hat sich die Anzahl nahezu verdoppelt. Parallel zum Bedarf entwickelt sich die Station stetig weiter, um Patienten so viel Erleichterung wie möglich zu verschaffen. Ende 2012 gelang es dem Nettetaler Haus endlich, in den Bedarfsplan des Landes aufgenommen zu werden. "Ohne die großzügigen und fortwährenden Spenden der Familien und Institutionen hier in Nettetal und unserem Krankenhaus-Förderverein wäre vieles nicht möglich gewesen. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar", freut sich Steinfort. So wurden beispielsweise mit Unterstützung des Fördervereins ein spezielles Wannenbad eingerichtet oder ein stationseigener Wärmeofen angeschafft. Zusätzlich unterstützt der Förderverein regelmäßig bei der fachlichen Weiterbildung des Teams und ermöglicht ergänzende therapeutische Angebote wie z.B. Aromatherapien.

Regelmäßig richtet das Team mit dem Palliativ-Tag im Nettetaler Rathaus den Blick der Öffentlichkeit auf seine Arbeit im Krankenhaus.

(RP)