Nettetal: Woran mangelt es in der Stadt Nettetal?

Nettetal : Woran mangelt es in der Stadt Nettetal?

In einer Ausstellung zeigen Senioren und Lebenshilfe-Bewohner, wie sie sich das Leben in ihrer Stadt vorstellen

Blumen und Tiere auf den Dächern, Frisör und Kino gleich am Rathaus, und durch die Straßen flitzt ein roter Bürgerbus: So müsste die Stadt Nettetal aussehen, wenn es nach der Vorstellung von Senioren und Menschen mit geistiger Behinderung geht. Ihre Ideen zum Thema "Leben gestalten" haben sie als Kunstobjekte dargestellt, die gerade für eine Ausstellung arrangiert werden. Dahinter steckt mehr als eine kreative Spielerei, vielmehr wird kritisch hinterfragt, woran es mangelt in der Stadt. Verbesserungsvorschläge liefern die Künstler mit.

"Mobilität ist unverzichtbar in einem sozialen Gefüge, so kamen wir schnell darauf, dass ein kleiner Bürgerbus sinnvoll wäre, schließlich sind für uns manche Ziele wie Schwimmbad oder Kino nicht leicht erreichbar", erklärt Waltraud Breitwieser. Die 83-Jährige gehört zum Lobbericher Künstlerteam, das sich zusammensetzt aus älteren Besuchern des Generationentreffs Doerkesstuben und Bewohnern von Einrichtungen der Lebenshilfe. Angefangen hat alles vor rund einem Jahr im Atelier des Künstlerpaares Salvatore Minten und Brigitte Minten-Rathner in Lobberich.

Ein inklusives Projekt sollte es werden, gestaltet von Menschen mit und ohne Behinderung. Zusammen mit Brigitte Hartwig, Leiterin der Doerkesstuben, und Anja Nowacki, Bereichsleiterin der Lobbericher Einrichtungen der Lebenshilfe Kreis Viersen, entwickelten die Mintens das Konzept. "Die Frage war, wie Menschen in besonderen Situationen kreativ darstellen können, dass gesellschaftliche Teilhabe gerade für sie unverzichtbar ist", sagt Hartwig. Die Themen allerdings, ergänzt Nowacki, die müssten die Mitwirkenden "selbst einbringen können".

Schnell fand sich ein rund zehnköpfiges Team von Senioren und Lebenshilfe-Bewohnern. "Wir merkten gleich, dass es bei uns Älteren und den Behinderten viele Übereinstimmungen gibt, die uns bewegen", erinnert sich Breitwieser. Mit dabei auch Lebenshilfe-Bewohnerin Roswitha Eichhorn, die schon mehrere Kunstprojekten mitgemacht hat und betont: "Malen, überhaupt Kunst, macht mir Spaß, und ich freue mich, anderen zu zeigen, was mir wichtig ist."

Für das "Inklusionsprojekt Leben gestalten", gefördert von der Aktion Mensch, galt es zunächst, Themen zu sammeln, die im persönlichen Umfeld und im kommunalen Miteinander bedeutsam sind: Ärztliche Versorgung, Erreichbarkeit von Behörden, Barrierefreiheit, Sicherheit in der Stadt, Kultur- und Freizeitangebote. "Wir haben gemerkt: In Nettetal gibt es durchaus gute Angebote, aber die sind zu wenig bekannt", berichtet Hartwig. Darum sollten Infobroschüren und Flyer über Beratungen und Veranstaltungen auch in Geschäften ausliegen.

Dann die Umsetzung: "Wir wollten nicht einfach nur Bilder an die Wand hängen, darum haben wir große Quader gestaltet", erklärt Minten. Für das Projektteam im Atelier hieß das: Motive und Szenen skizzieren, auf Filzplatten übertragen und ausschneiden, die Quaderseiten damit bekleben und gestalten. Heraus kam eine Mini-Stadt der Zukunft aus drei Gebäuden, in und an denen Wünsche Gestalt angenommen haben: ein Polizeiauto als Symbol der Sicherheit, Freizeit dargestellt mit Blumen und Kühen als ländliche Idylle. Manches Dargestellte ist schon modellhafte Realität: der Generationentreff etwa oder das inklusive Wohnhaus, das die Lebenshilfe an der Görresstraße baut.

"Das Miteinander ist für uns eine große Bereicherung", sagt Minten-Rathner. Breitwieser: "Wir hoffen, dass sich viele die Ergebnisse des Inklusionsprojekts anschauen, es sind ja manche Denkanstöße dabei."

(jobu)
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