Nettetal: Wo ist Platz für Gedenkstätte?

Nettetal: Wo ist Platz für Gedenkstätte?

Der Kulturausschuss der Stadt Nettetal beschäftigte sich mit der Frage, wie an die jüdische Synagoge an der Biether Straße in Breyell erinnert werden kann. Das größte Problem ist die Standortfrage.

Das Grundstück an der Biether Straße in Breyell hat eine bewegte Geschichte: Am 9. November 1938 wurde die dortige kleine Synagoge von den Nazis zerstört und abgebrannt. Später betrieb das Breyeller Treibstoff- und Mineralölunternehmen AJL auf dem Grundstück eine Tankstelle, Fahrzeughallen und Treibstofflager. Derzeit stehen dort ein Altkleidercontainer und eine Warnbake, die auf den beschrankten Bahnübergang hinweist. Nun war die Zukunft des Grundstücks Thema im Kulturausschuss der Stadt. Alle Fraktionen waren sich einig, dass die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen und die jüdische Gemeinde in Breyell auch durch äußere Zeichen wachgehalten werden soll. "Das darf nie vergessen werden", unterstrich Vera Gäbler (CDU), die in Breyell die Stolperstein-Aktion initiierte.

An der Stelle, an der einst die Synagoge stand, soll möglichst eine Gedenkstätte entstehen. Foto: Busch

Gesamtschüler haben Entwurf

Schüler der Gesamtschule Nettetal beschäftigen sich seit Langem mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde Breyell und entwickelten Vorschläge, wie die Erinnerung wach gehalten werden kann. Zunächst wurde überlegt, ob auf dem öffentlichen Gehweg eine Gedenkplatte oder Stolpersteine eingebracht werden können. Inzwischen entwickelten die Schüler den Entwurf einer Gedenkstätte, der im Ausschuss Zustimmung fand.

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Problematisch sind allerdings die Eigentumsverhältnisse. Roswitha Karallus (Nette-Agentur): "Das Grundstück gehört nicht der Stadt." Der Kulturausschuss erfuhr, dass sich das AJL-Gelände in einem Insolvenzverfahren befindet. Erst der neue Käufer werde über die künftige Nutzung des Geländes abschließend entscheiden können.

Dr. Theo Optendrenk (CDU) mahnte vor übereilten Entscheidungen. Ein Mahnmal an der Stelle der ehemaligen Synagoge sei richtig, aber wegen der Eigentumsverhältnisse derzeit nicht realisierbar. "Das Mahnmal dieser Qualität wird den Standort prägen. Alles, was später auf dem Grundstück noch geplant und gebaut würde, wird dagegen sehr banal wirken. Es könnte dann geeignet sein, Empörung hervorzuheben." Wenn etwas errichtet wird, müsse dies auf jeden Fall mit der jüdischen Gemeinde abgestimmt werden. Und wenn das Mahnmal dann nicht an dieser Stelle entstehen könne, könnte dies Unverständnis und Empörung hervorrufen.

Bürgermeister Christian Wagner erinnerte an die erste Idee der Gesamtschule, eine Gedenkplatte im Bürgersteig einzubringen und unterstrich: "Die Skulptur kann nicht auf einer städtischen Fläche aufgestellt werden, weil hier keine stadteigene Fläche zur Verfügung steht." Renate Dyck (SPD) regte an, das Thema erneut l in der Projektgruppe zu erörtern. FRAGE DES TAGES

(RP)
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