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Nettetal: Wirte verärgert über Rauchverbot

Nettetal : Wirte verärgert über Rauchverbot

Die Gaststätteninhaber können die Verschärfung des Gesetzes nicht nachvollziehen. Mancher fürchtet sogar um seine Existenz.

In vier Tagen ist in Nordrhein-Westfalen endgültig Schluss mit Rauchen in Restaurants, Kneipen und Bars. Zum 1. Mai tritt das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Ausnahmeregelungen für Brauchtumsveranstaltungen oder Raucherräume gibt es dann nicht mehr. Gastronomen im Kreis Viersen fühlen sich von der Landesregierung bevormundet, fürchten um ihre Existenz.

Einer von ihnen ist Helmut Schatten, Inhaber des "Bitburger" am Remigiusplatz in Viersen und des "HotelsStadt Lobberich" in Nettetal. "Jeder weiß, dass Rauchen ungesund ist. Aber jeder sollte auch selbst entscheiden können, ob er sich dem aussetzt oder eben nicht", sagt er. Damit spricht er vielen seiner Kollegen aus der Seele. "Wo gegessen wird, muss nicht geraucht werden, das sehe ich auch so", sagt Karl Heinz Bäumges, Inhaber des Alten Braukellers in Lobberich. Doch das absolute Verbot ist für ihn nicht nachvollziehbar. "So wie es früher war, mit Ausnahmetatbeständen, war es doch gut", sagt auch Petra Franken vom Restaurant Sonneck in Hinsbeck.

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Manche Wirte fühlen sich nicht gut informiert. Petra Horns hat in ihrem Restaurant "Haus Uhle" in Bracht eine Kegelbahn. Ob sie ihre Vereine dort weiterhin rauchen lassen darf, weiß sie gar nicht. "Ich habe keine Informationen von der Stadt bekommen. Ich kann nur ahnen, was ich darf und was nicht", sagt sie. Andreas van Loon, Vorsitzender der Dehoga-Kreisgruppe Viersen, ist skeptisch. "Kegelveranstaltungen fallen nicht unter die Ausnahme einer geschlossenen Gesellschaft, weil sie regelmäßig stattfinden", sagt er. Van Loon ist als Inhaber der "Kaisermühle" in Viersen selbst vom Rauchverbot betroffen. "Die Gäste gehen früher, wenn sie nicht mehr rauchen dürfen; die Gemütlichkeit geht verloren", sagt er.

In Helmut Schattens Viersener Kneipe haben einige Gäste schon angekündigt, ihr Feierabendbier künftig zu Hause zu trinken, wo sie sich auch eine Zigarette anstecken können. 80 Prozent seines Umsatzes macht er mit Getränken. "Wiederum 70 Prozent meiner ,Theken-Gäste' sind Raucher", sagt er. Er istsich sicher, dass die Eckkneipen ab nächster Woche ums Überleben kämpfen werden.

Und das nächste Problem folgt sogleich: Anwohnerbeschwerden wegen Lärmbelästigung, wenn Gäste vor der Tür rauchen und zu laut sind. Dem sieht Horst Schnitzler, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes Viersen, entspannt entgegen. "Wir haben ja schon freiwillige Nichtraucherkneipen in Viersen. Bisher hat es keine Beschwerden gegeben", sagt er. Sollte es zu Problemen kommen, wolle man die sachlich und in Ruhe bearbeiten.

Neben der Gastronomie ist vor allem das Brauchtum betroffen. Denn Zigaretten sind künftig auch in Festzelten nicht mehr erwünscht. "Schützenzelte sind in der Regel wegen der hohen Decken gut durchlüftet", sagt Karl Heinz Bäumges, der auch Bezirksbundesmeister der Schützen in Nettetal und Grefrath ist. Trotzdem hofft er, dass die Besucher den Schützenfesten nicht fern bleiben werden. "Die strafen ja letztlich die Falschen — uns. Aber wir sind gegen ein absolutes Rauchverbot", sagt er. FRAGE DES TAGES

(RP/ac)