Nettetal: Wie Leuth seine neue Kirche bekam

Nettetal: Wie Leuth seine neue Kirche bekam

Ein Geistlicher als Fundraiser: Pfarrer Johann-Peter Knippen verstand es im 19. Jahrhundert, das Geld für einen Neubau des Kirchenschiffs von St. Lambertus Leuth zusammen zu bekommen. Am 22. September wird das Jubiläum gefeiert – auf den Tag genau 150 Jahre nach der Einweihung.

Ein Geistlicher als Fundraiser: Pfarrer Johann-Peter Knippen verstand es im 19. Jahrhundert, das Geld für einen Neubau des Kirchenschiffs von St. Lambertus Leuth zusammen zu bekommen. Am 22. September wird das Jubiläum gefeiert — auf den Tag genau 150 Jahre nach der Einweihung.

Der Pfarrer von St. Lambertus muss ein Mann mit Überzeugungskraft gewesen sein. Denn als er Mitte der 1850er Jahre den Vorschlag machte, die Kirche sozusagen neu zu bauen, brach kein Jubel unter den mittlerweile 1 300 Pfarrkindern aus. Sie sahen zwar alle ein, dass es bei den Gottesdiensten fürchterlich eng war, doch fragten sie auch: Wer soll das bezahlen?

Der Pfarrer fand schließlich eine Lösung für die Finanzierung des auf 15 000 Taler veranschlagen Rohbaus: "Das Geld ist schon dafür da", sagte er in einer Predigt im Jahre 1857, "es ist in — euren Häusern!" Ein jeder möge nach seinen Kräften zum Neubau beitragen. Letzte Zweifel wurden durch die "rührende Opferwilligkeit, namentlich auch unter der minder begüterten Klasse" beseitigt. Zudem erklärte Reichsgraf Rudolph von Schaesberg zu Schloss Krickenbeck, die Mehrkosten zu übernehmen.

Wäre Pfarrer Knippen nüchternem Kalkül gefolgt, dann hätte eigentlich der Anbau eines dritten Schiffes an die nach einem Brand 1642 wieder aufgebaute Kirche genügt. Doch plädierte er für einen Neubau des auch "zum Teil durch Alter schwach gewordenen" Gotteshauses, dabei "kräftig unterstützt durch den kunstsinnigen hochseligen Bischof Johann Georg von Münster", wie es in der "Geschichte der Herrlichkeit Leuth" von Leopold Henrichs und Johann Finken heißt.

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Damit erhielt die Pfarre St. Lambertus eine bis auf den aus dem 15. Jahrhundert stammenden Turm neue Kirche, die heute noch ein besonderes Kleinod ist. Den Plan für den Neubau fertigte kein Geringerer als der Kölner Baumeister Vinzentz Statz an — ein Zeichen für die guten Beziehungen, die der Pfarrer aus der kleinen Landgemeinde mit Künstlerkreisen in der (noch nicht fertigen) Domstadt pflegte.

Nachdem im Kempener Baumeister Franken der richtige Mann für die Umsetzung der Pläne gefunden war und die Ziegelöfen auf dem Pastoratsland errichtet waren, konnte es losgehen. Am Palmsonntag 1860 (1. April) wurde das Allerheiligste in die zur Notkirche umgewandelte Scheune des Neuenhofes (heute Neyenhof) getragen, am gleichen Nachmittag begannen die Abbrucharbeiten in Eigenleistung: Alle "dienstfähigen Pfarrkinder" waren zur Mitarbeit aufgefordert worden. Und viele packten mit an.

So konnte Pfarrer Knippen schon am 22. Juli 1860 den Grundstein weihen. Schon 14 Monate später, am Kirmessonntag 1861 (22. September), weihte Bischof Dr. Johann Georg Müller die neue Kirche "zur großen Freude des ergrauten Pfarrers Knippen unter allgemeiner Teilnahme der freudig erregten Gemeinde".

Statz hatte eine dreischiffige Kirche im damals gefragten neugotischen Stil entworfen, die 28,6 Meter lang und 15 Meter breit ist. Das Gewölbe ist 10 Meter hoch, der Dachfirst 16,15 Meter. Das Hauptschiff hat an jeder Seite sechs Pfeiler. Das Gewölbe des Chores ist rund 1,2 Meter höher als das der Kirche. Das gotische Türmchen (Dachreiter) hat eine Höhe von 6 Meter. In Anbauten am Chor sind die Sakristei und die Taufkapelle untergebracht.

(mme)
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