Radverkehr in Nettetal Radschnellweg wird beraten

Nettetal/Kempen · Ein Radschnellweg soll von Venlo über Nettetal und Kempen nach Krefeld führen. Während in Kempen Varianten geprüft werden, ist er in Nettetal beim Mobilitätskonzept Thema. Das steht vor der Verabschiedung.

Für den geplanten Radschnellweg von Venlo über Nettetal und Kempen nach Krefeld gibt es mehrere Trassenvarianten.

Für den geplanten Radschnellweg von Venlo über Nettetal und Kempen nach Krefeld gibt es mehrere Trassenvarianten.

Foto: Grafik: OSM, dpa

Ein Radweg soll Städte und Gemeinden in Deutschland und den Niederlanden verbinden: Die Städte und Gemeinden Horst an de Maas, Venlo, Nettetal, Grefrath, Kempen, Tönisvorst und Krefeld wollen gemeinsam einen Radverbindung realisieren, die so schnell und komfortabel  ist, dass Pendler wie Touristen sie gern nutzen. Damit verknüpfen sie die Hoffnung, dass mehr Menschen aufs Rad umsteigen – ein Beitrag zum Klimaschutz. „Das ist eine große Vision“, sagt auch Nettetals Bürgermeister Christian Küsters (Grüne).

Knapp 45 Kilometer lang ist die geplante Verbindung, die rund 18 Millionen Euro kosten wird. Die Route führt aus Westen kommend von Horst über Venlo, wo es zwei Zweige geben wird: einen zur Fontys-Hochschule, einen zum Bahnhof. Beide treffen sich wieder in Kaldenkirchen, von wo es über Lobberich, Grefrath, Kempen an Tönisvorst vorbei auf die Krefelder Promenade geht. Bereits jetzt existiert zwischen Kaldenkirchen über Grefrath nach Kempen auf einer Länge von über 18 Kilometer ein Radweg, der integriert wird.

Die Planung läuft seit Jahren, eine Machbarkeitsstudie dazu legte das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen aus Aachen 2019 vor. Noch ist allerdings nicht klar, wo die Strecke auf Kempener Gebiet verlaufen wird. Verschiedene Varianten waren schon 2019 betrachtet worden, im Juni 2022 stellte Wolfgang Kever vom Büro Kauen im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz in Kempen sieben alternative Streckenführungen auf Kempener Gebiet tiefer vor.

Kurz: Unter anderem sollen Radschnellwege mindestens vier Meter breit sein, damit Radler dort in zwei Richtungen gut fahren können (Radhauptverbindungen sollen drei Meter breit sein), die Wege sollen möglichst beleuchtet sein, eine bituminöse Fahrbahn haben. Und damit man schnell vorwärts kommt, müssen  Knotenpunkte aufmerksam betrachtet werden. Gleichzeitig bewertete Kever unter anderem, inwiefern ökologische Belange betroffen wären, wie verträglich die Anlage des Radwegs mit Grünflächen wäre, wie das Zusammenspiel mit ruhendem Verkehr und Fußgängern gelingen würde, inwiefern eine soziale Kontrolle gegeben wäre, wo Flächen zu erwerben wären, wie teuer es würde. Nach Abwägung aller Punkte empfahl er Variante 3b, eine der Varianten, die durch den Kempener Süden führen würde.

Für den Teilabschnitt in Nettetal-Kaldenkirchen gibt es zwei Wege: einmal einen direkten Weg zwischen Venlo und Nettetal, zum anderen einen über die Fontys-Hochschule.

Bei der direkten Verbindung geht es vom Bahnhof Venlo über den Greenport-Bikerway zunächst über den Kaldenkerkerweg Richtung Nettetal, dann über den Bevrijingsweg bis zur deutsch-niederländischen Grenze. „Im Stadtgebiet Netettal führt der favorisierte Streckenverlauf über die Straße Schwanenhaus und den Dahlweg bis zum Bahnhof Kaldenkirchen“, heißt es im Gutachten.

Bei einer Anbindung der Hochschule ist der Vorschlag über die Strecke auf niederländischer Seite zunächst vom Stationstunnel bis zur Hochschule, dann wird die Autobahn A  73 gequert, es geht weiter über die Straßen Geldersebaan, Mauritsstraat und Naussausstraat bis zum Kaldenkerkerweg und zur Steyler Straße in Richtung Kaldenkirchen. „Der Bahnhof Kaldenkirchen wird über die Achse Juiser Feld, Post- und Bahnhofsstraße erreicht“, so die Gutachter. In Höhe des Bahnhofs beginnt  die Führung der Radwegeverbindung über die alte Bahntrasse, zunächst nach Lobberich, dann nach Grefrath.

„Das Thema Radschnellweg ist in unserem Mobilitätskonzept enthalten, mit dem sich der Ausschuss Anfang Dezember beschäftigen wird“, erläutert Christian Küsters.  Von Nettetaler Seite aus müsse man einige Anpassungen und Ergänzungen erledigen, etwa von Bahnhof Kaldenkirchen aus in die Niederlande. Als Beispiel nennt Küsters die Querung an der Leuther Straße. „Dabei muss überlegt werden, ob dort eine Fahrradampel ausreicht oder ob eine Brücke notwendig ist“, so der Bürgermeister.

Das Ziel, eine lückenlose Verbindung von Venlo bis nach Krefeld zu schaffen, brauche nach seiner Einschätzung Zeit, da einige Kommunen mit der Umsetzung beschäftigt seien. In Nettetal  stehe das Thema auch auf der Agenda. Allerdings seien dabei auch die personellen Möglichkeiten im Rathaus zu berücksichtigen. So würden aktuell zwei von vier technischen Planen fehlen. „Ob wir das Thema Radschnellweg doch schon 2023 umsetzen können, das steht zurzeit noch nicht fest“, so Küsters. Der Fokus liege zunächst auf dem gesamten Mobilitätskonzept. 

In Kempen kamen die Politiker in ihrer Sitzung im Juni auf keinen gemeinsamen Nenner, sie wollen sich nach Fraktionsberatungen im Herbst erneut besprechen. Dabei kam heraus, dass die Varianten 3a (durch den Kempener Süden, über die Maria-Basels-Straße) und 5 (entlang des Kempener Außenrings) bevorzugt werden. Die bisherigen Informationen reichen der Politik aber noch nicht aus, um zu entscheiden. „Wir haben gemerkt, dass es nicht zufriedenstellend war“, fasste es die Ausschussvorsitzende Nicole Brumme (Grüne) nach der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Klimaschutz zusammen. Deshalb beauftragte der Ausschuss die Verwaltung nun, eine vertiefende Untersuchung für die beiden Varianten 3a und 5 anzugehen, „damit man überhaupt eine Beschlussvorlage hat, wir eine Entscheidung treffen können“, so Brumme. Dazu sollen nun 40.000 Euro für die vertiefende Untersuchung in den Haushalt eingestellt werden. Unter anderem soll in der Untersuchung der beiden Varianten aufgezeigt werden, inwiefern eine Überführung oder Unterführung des Außenrings möglich ist, wie eine Verbindung vom Außenring zur Stadt hergestellt werden kann, wenn man Variante 5 wählt, und was das Ganze kostet.

Zwei Varianten werden geprüft.

Zwei Varianten werden geprüft.

Foto: Grafik: OSM, Ferl

Anwohner im Kempener Süden müssen nicht fürchten, dass man ihnen eine breite Schneise durchs Wohngebiet legt, auf der Radfahrer künftig daherflitzen werden. „Es wird keinen Radschnellweg durch die Stadt geben“, betonte Brumme, „wir reden hier von einer Fahrradstraße.“ Da für die Umsetzung beider Varianten (3 sowie 5) Flächen erworben werden müssten, will die Verwaltung nach einer Anregung von Gero Scheiermann (CDU) zunächst abklopfen, ob Landwirte grundsätzlich bereit sind, einen Streifen Land abzugeben.

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