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Nettetal: Wie eine Einladung bei einer Freundin

Nettetal : Wie eine Einladung bei einer Freundin

Sängerin Helen Schneider präsentierte in Lobberich ein sehr privates Musikprogramm

"Kammerpop" - auf der Suche nach der Art, wie der Stil der amerikanischen Sängerin Helen Schneider zu benennen ist, liefert sie das richtige Stichwort: "Kammerpop", wie es wohl mal ein Zuhörer gesagt haben muss. Und damit den Nagel auf den Kopf traf: Kammermusikalisch ist sie in jedem Fall. Und poppig auch. Helen Schneider ist vor allem und immer eine Geschichtenerzählerin - egal ob sie auf der Bühne steht und mit Anekdoten, Gedanken und Geschichten ihre Lieder anmoderiert, oder ob sie genau diese Lieder sind.

Helen Schneider war am Samstagabend in der Alten Kirche in Lobberich auf Einladung des Kulturkreises der Wirtschaft in Nettetal zu Gast. Die Alte Kirche, nicht zu klein, nicht zu groß - immerhin nahm sie etwa 200 Zuhörer auf - schafft die richtige Atmosphäre für Schneider - oder, um es in ihren Worten zu sagen: "Es gibt Orte, die haben einen Zauber ... der Ort umarmt mich ... und auch hier in dieser Kirche ist ein Zauber." Geboren 1952 in New York, aufgewachsen in New England, studierte sie Klavier und brachte bereits 1976 ihr erstes Album heraus. Viel ist sie umhergezogen, seit fast 20 Jahren lebt sie in Berlin. In Lobberich trat sie gemeinsam mit dem 1973 in Böblingen geborenen Jazzmusiker und Gitarristen Jo Ambros auf, der sie seit vielen Jahren begleitet und Komponist des neuen Programms "Collective Memories" ist. Sie sind ganz offensichtlich ein "eingespieltes" Team.

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Es sind Schneiders Erinnerungen, die besungen werden und zugleich möglicherweise auch die Erinnerungen der Zuhörenden anstoßen. Es ist ein ausgesprochen persönliches, privates und intimes Musikprogramm, das Helen Schneider da präsentiert. Die Stücke wurden von ihrer langjährigen Freundin Linda Uruburu geschrieben - Helen Schneider somit auf die Haut getextet.

Und so persönlich die Texte sind, so interpretiert sie sie auch: mit viel Gefühl und Leidenschaft, mit Kraft und Zurückhaltung, mal sanft, mal gewaltig - alle Facetten der lauten und leisen Emotionen versteht Schneider in ihre Stimme zu legen.

Sie erzählt und singt von der Demenz des Vaters, von ihrem väterlichen Freund, dem Vater ihrer Freundin Lina, von dem Blick in die Sterne während eines Sommercamps als Jugendliche, von den Malaisen des Alters, von ihrer Vorliebe des Zugfahrens mit der "DiBi".

Es fühlt sich beinah so an, als sei man mit ein paar anderen bei einer Freundin zu Hause eingeladen, die nur für diese ausgewählten Menschen singt und spricht.

(b-r)