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Kreis Viersen: Wie Dülken beinahe Kreisstadt wurde

Kreis Viersen : Wie Dülken beinahe Kreisstadt wurde

Die 65. Ausgabe des Heimatbuches für den Kreis Viersen ist erschienen. Die Reformation, der Beginn des Ersten Weltkrieges und ein Stück Eisenbahngeschichte sind nur einige Themen. Der Band 2014 ist jetzt im Buchhandel.

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Zwei Bilder schmücken den Einband des Heimatbuchs des Kreises Viersen für 2014. Es handelt sich einmal um eine Aufnahme des neuen Eingangsgebäudes des Niederrheinischen Freilichtmuseums Dorenburg in Grefrath. Die abendliche Stimmung steht im krassen Widerspruch zum Geburtstagsfoto eines Kindes im Jahr 1914. Es trägt Pickelhaube und Uniformmantel und hält in der linken Hand einen Kindersäbel.

Die Illustration steht auch für den sehr heterogenen Inhalt des Heimatbuches, das zum 65. Mal vom Kreis herausgegeben wird. Kreisarchivar Gerhard Rehm hat eine Ausgabe redigiert, die die Vielfalt des Kreises Viersen in Vergangenheit und Gegenwart einmal mehr umfassend widerspiegelt. Besonders umfangreich ist einmal mehr das Kapitel über die Geschichte. Theo Optendrenk hat sich weit zurück und exemplarisch für Lobberich in die Reformationsgeschichte eingearbeitet. Gottfried Pricken schildert umfassend die Geschichte des Kempener Bahnhofs. An den Beginn des Ersten Weltkriegs erinnern Caroline Glöckner und Marcus Ewers mit einem Beitrag über das Kriegstagebuch des Dülkener Lehrers Heinrich Franz Müller. Prof. Leo Peters liefert ein Stimmungsbild am Vorabend des Krieges 1914 im Grenzgebiet.

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Von welchen Zufällen und Wendungen mitunter weitreichende Entwicklungen abhängen, schildert Paul Schrömbges in seinem Aufsatz über die Kommunalreform 1929. Damals wurde die Bildung eines "Kreis Dülken" mit Viersen und Süchteln diskutiert.

Sehr angetan zeigte sich Gerhard Rehm vom Beitrag von Helena Siemes über den Viersener Hubert Busch, der Gedichte in Mundart verfasste — ungewöhnlich in Form und Inhalt. "Es ist seine ganz eigene, urwüchsige, gesprochene Sprache, in der er sowohl Fremdwörter als auch hochdeutsche Wörter und Satzkonstruktionen verwendete", stellt die Autorin fest.

Dass die Kunst- und Architekturgeschichte im Heimatbuch stets etwas schmaler, inhaltlich aber nicht weniger gehaltvoll behandelt wird, liegt daran, dass der Kreis nicht unbedingt gesegnet ist mit solchen Objekten oder Künstlern. Breiten Raum erhält einmal mehr die Natur und die Landschaft mit Beiträgen über die Limnologische Station Niederrhein in Haus Bey. Ungewöhnlich ist, dass Jochen Hild, der schon in den ganz frühen Ausgaben des Heimatbuches, mit seinem Aufsatz über die Vegetation an den Krickenbecker Seen wieder unter die Autoren gegangen ist.

Zu den sieben neuen Autoren gehört Kreisdirektor Andreas Coenen, der das neue Eingangsgebäude am Museum in Grefrath schildert. Landrat Peter Ottmann befasst sich ausführlich mit der 50-jährigen Geschichte der Wirtschaftsförderung im Kreis Viersen.

Gerhard Rehm ist überzeugt, dass das Heimatbuch seinen Stellenwert behaupten wird. Er hat zahlreiche erfahrene und neuer Autoren, auf die er zurückgreifen kann. Das Heimatbuch biete heute eine wunderbare Gelegenheit zum Schmökern und sei künftig bereits wieder eine wichtige Quelle für jeden, der sich mit dem Kreis, seinen Städten und gemeinden und Spezialthemen beschäftige.

(RP)