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Nettetal: Werner-Jaeger-Halle ist die "gute Stube"

Nettetal : Werner-Jaeger-Halle ist die "gute Stube"

Viele Nettetaler verknüpfen anhaltende Erinnerungen an Konzerte, Theater oder auch persönliche Erfahrungen mit der Spielstätte am Werner-Jaeger-Gymnasium. Mit einem Abriss mag sich, gemessen an Reaktionen, keiner anfreunden.

Die Zukunft der Werner-Jaeger-Halle in Lobberich beschäftigt viele Bürger. Zwar gibt es keine Bürgerinitiative oder eine Parteigründung wie für eine Sporthalle, wie Bürgermeister Christian Wagner beim Neujahrsempfang am Wochenende feststellte. Aber es gibt Meinungen und Erinnerungen. Neben einer Reihe von telefonischen Bekundungen dafür, die Halle möglichst so zu erhalten, wie sie ist, gab es auch Zuschriften. Einen Teil veröffentlicht die Rheinische Post in Auszügen.

Wintzen Mit der Werner-Jaeger-Halle verbinden meine Frau und ich als Jazz-Fans unvergessliche Konzerte. Am 1. April 1976 erlebten wir zum ersten Mal die "Chris Barber Jazz Band"; es folgten Konzerte 1995, 2000, 2003 und 2005. Die Band pflegte ihre Deutschland-Tourneen stets in Nettetal zu eröffnen. 2000 verabschiedete sich "The Big Chris Barber Band" mit ihrem berühmtesten Stück "Ice Cream". 2005 wurden Chris Barber und Pat Halcox, die der Band seit dem Gründungsjahr 1955 angehörten, 75 Jahre alt und feierten bei der Tournee das 50-jährige Jubiläum. In Erinnerung sind uns auch Konzerte der "Dutch Swing College Band" 1987 und 2003, 1987 noch mit Gründungsmitglied (1945) und Leiter Peter Schilperoort. Schließlich sei "Mr. Acker Bilk & his Paramount Jazz Band" im September 1988 erwähnt.

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Ich bin der Meinung, dass die Werner-Jaeger-Halle das kulturelle Zentrum Nettetals darstellt und in der heutigen Form erhalten bleiben sollte. Eine notwendige Restaurierung müsste möglich sein. Auf jeden Fall sollte die Entscheidung über die Zukunft der Halle nicht ausschließlich nach parteipolitischen Meinungen, sondern unter Beteiligung der Nettetaler Bürger getroffen werden.

Backhaus Es wäre schade, wenn die Werner- Jaeger-Halle der Abrissbirne zum Opfer fiele. Ich habe darin viele tolle Künstler gesehen und freue mich auf jedes weitere Mal. Die großartigen Darsteller sollten in einer großartigen Umgebung auftreten, welche ihnen die jetzige Halle bietet. Darum muss diese Halle so erhalten bleiben, wie sie ist. Ein Neubau kann niemals mehr die Ausstrahlung erreichen, die diese Halle hat. Die Stadt Nettetal bietet ein kulturelles Programm, welches sich nicht hinter dem der umliegenden größeren Städte zu verstecken braucht. Aber dazu gehört das entsprechende Umfeld, welches die Werner-Jaeger-Halle ganz klar vorweisen kann.

Evers Viele Entscheidungen können die Bürger nicht nachvollziehen, weil sie nicht mit und für die Bürger gemacht werden. Handeln mit und für die Bürger macht erst eine Stadt aus. Die Werner-Jaeger-Halle ist in der Architektur einzigartig am Niederrhein. So ein Objekt sich über Jahre selbst zu überlassen, kommt einer Straftat gleich. Eine ordentliche Objektpflege, die Geld kostet, wäre wohl nicht auf bürgerlichen Widerstand gestoßen. Der Stadt fehlen an der richtigen Stelle Personen mit Visionen. Seit Jahren kommen Freunde aus Mönchengladbach und Umgebung zu Veranstaltungen in die Werner-Jaeger-Halle, weil sie sich in einer besonderen Atmosphäre hier wohlfühlen. Nettetal hat sonst nichts zu bieten, was über die Ortsgrenzen hinaus wirkt.

Rehberg Als ehemalige Schülerin des WJG kam ich in Klasse 6 und 7 selbst in den Genuss, auf der Bühne der WJH zu stehen und Theater zu spielen. Unter der Leitung unserer Klassenlehrerin führten wir 1980/81 zwei Theaterstücke auf und waren mit sehr großem Eifer bei der Sache. 1987 fand unsere Abiturfeier in dieser Halle - unserer Aula - statt. Das Überreichen der Abiturzeugnisse war ein feierlicher Moment. Seitdem war ich bei vielen Veranstaltungen - alleine oder mit meiner Familie. Besonders beeindruckt hat mich z. B. Elke Heidenreich, die im Rahmen der Nettetaler Literaturtage aus einem ihrer Bücher vorlas. Ich finde, dass die Werner-Jaeger-Halle so etwas wie die gute Stube Nettetals ist, und es wäre schon sehr schade, wenn sie abgerissen würde. Ein Neubau könnte - siehe z. B. die Mensa nebenan - nicht das Flair, das das Innere der Halle ausstrahlt, ersetzen.

Rohne Der Artikel weckt uns "Nettetaler", die in Unwissenheit dieser Gegebenheiten und im normalen Alltagsstress solche Entwicklungen oft nicht oder häufig zu spät wahrnehmen. Mit der Werner-Jaeger-Halle verbinde ich persönlich Theatervorstellungen für Kinder, Aufführungen von Schülern des gleichnamigen Gymnasiums, Kulturangebote für Erwachsene und, unvergessen, die feierliche Abiturzeugnisvergabe 2011 mit Ansprache des Bürgermeisters Wagner. Ich möchte eine "Wegwerf(Abriss)Gesellschaft" nicht unterstützen! Die Werner-Jaeger-Halle soll erhalten bleiben.

(RP)