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Nettetal: Weinberaterin Jana Töpfer mag auch Döner

Nettetal : Weinberaterin Jana Töpfer mag auch Döner

Bei der Deutschen Meisterschaft der Weinberater ist Jana Töpfer unter den Top Ten gelandet. Die Sommelière aus Nettetal versteht sich als "Botschafterin des Genusses". Das heißt aber nicht, dass immer alles vom Feinsten sein muss.

Tragen wir ruhig mal dick auf: Jana Töpfer ist die neuntbeste Sommelière Deutschlands. Unter 40 der Besten ihrer Zunft belegte die Kaldenkirchenerin beim Sommelier-Cup des Deutschen Weininstituts in Mainz den hervorragenden neunten Platz. Wettbewerben wie dem Sommelier-Cup bleiben manche Kollegen — gerade die aus den noblen Häusern — lieber fern. Aus Angst, sich zu blamieren.

Mindestens 500.000 Weine allein in Deutschland

"Mir ist das wurscht", sagt Jana Töpfer unverblümt. Ihr geht es darum, neue Weine kennenzulernen, sich mit den Kollegen auszutauschen. Von denen "hat man selten so viele auf einem Haufen". Denn der abgedroschene Slogan vom lebenslangen Lernen ist für jeden Sommelier oberste Maxime. 13 Weinanbaugebiete, 80.000 Winzer und mindestens 500.000 Weine gibt es allein in Deutschland. "Dafür reicht ein Leben nicht", schmunzelt Jana Töpfer.

Unglücklicherweise muss jeder Wein jedes Jahr neu entdeckt werden. Denn der Riesling aus der Mosel-Steillage, der im letzten Jahr noch eine Sensation war, kann in diesem Jahr schon ziemlich armselig daherkommen. Umgekehrt kann ein 2011 noch schwächlicher Spätburgunder in derselben Lage und im selben Weingut im 2012er-Jahrgang eine Erleuchtung sein.

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Bei 2,99-Euro-Weinen ist sie skeptisch

Der Urlaub bei Töpfers wird darum alljährlich zur beruflichen Bildungsreise. In vielen deutschen Weinbaugebieten ist Jana Töpfer mit Ehemann Harald schon auf weinkundliche Entdeckungsreise gegangen, auch in Kalifornien oder Österreich. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie auf dem Weingut Stodden an der Ahr geschuftet. Echte Knochenarbeit. Darum traut sie 2,99-Euro-Weinen nicht so recht über den Weg.

Im Idealfall gelingt es dem Sommelier, eine Harmonie zwischen Speisen und Getränken herzustellen. Wie das geht, vermittelt Jana Töpfer ihren Gästen am liebsten selbst. An ihrem Arbeitsplatz, Schloss Krickenbeck, führt sie im Rahmen von Firmenevents regelmäßig Verkostungen durch. Jana Töpfer hockt nicht im kulinarischen Elfenbeinturm: Bei ihr ist der Star immer der Wein und nicht der Sommelier. Der Sommelier ist ein Ratgeber, ein "Botschafter des Genusses", wie es Jana Töpfer selbst beschreibt. "Ich will dem Gast nicht meinen Geschmack und meine Meinung aufzwingen."

Ihr Mann kocht, sie sucht den Wein aus

Insofern kommt bei guten Sommeliers zur Weinkennerschaft auch die Kunst der Diplomatie. Bei Jana Töpfer paart sich das mit einem angenehm entspannten Verhältnis zum Beruf. Die Sommelière hat kein Problem zuzugeben, dass sie mal etwas nicht weiß und auch einmal daneben liegt. Und trotz der berufsbedingten Affinität zu edlen Speisen und edlen Weinen liebt sie ebenso Fastfood und Döner. Und kochen kann sie auch nicht. "Zu Hause kocht mein Mann, und ich suche den Wein aus", so lautet die Arbeitsteilung im Hause Töpfer.

In Sachen Wein "bin ich Fan von Deutschland und Österreich", sagt sie. Grüner Veltliner aus Österreich und Spätburgunder aus Deutschland sind ihre Favoriten unter den Traubensorten. Für die heimische Tafel empfiehlt Jana Töpfer zwei Frankenweine: den aromatisch-würzigen Silvaner "S" vom Weingut Hofmann und als Rotwein die "Cuvee C" vom Weingut Castell. "Die Frankenweine haben mich dieses Jahr sehr begeistert", schwärmt sie. "Außerdem müssen wir etwas tun gegen das Aussterben der Bocksbeutelflasche."

Bezugsquelle für Frankenweine: www.derweinfranke.de

(jo-s)