Nettetal: Wasservögel genießen die grüne Nette

Nettetal: Wasservögel genießen die grüne Nette

Die Wasserpest bildete im Sommer wieder einen dichten Teppich auf einigen Netteseen. Wasserlinsen oder Entengrütze bedecken jetzt die Nette an der Leuther Mühle. Die Natur leidet nicht darunter, Wasservögel haben eine Vorratskammer.

Seit Wochen schon trägt die Nette vor der Leuther Mühle ein dicht gewirktes grünes Kleid. Vor dem Wehr staut sich in ungewöhnlicher Masse eine Mischung aus Wasserpest, Entengrütze und Algen. Da die Nette sehr träge dahinfließt, zerreißt dass pflanzliche Gespinst auch nicht. Eine Gefahr für die Natur geht davon nicht aus. Dr. Ansgar Reichmann, Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen, winkt ab. "Das ist die Folge des insgesamt sehr warmen Jahrs. Die Wasserpest hat sich wieder enorm entwickeln können, vor allem auf dem Wittsee", erklärt er.

Seit einigen Jahren bildet sich stets aufs Neue die Wasserpest auf den Nettessen. Nutallii elodia ist eine Neophyte, also eine Pflanze, die in unseren Breiten ein Neuling und nicht heimisch ist. Im vergangenen Jahr blieb die Pflanze allerdings weit hinter den Massen zurück, die vor allem Wassersportlern und Anglern Kummer bereitet. Doch war es ein Irrtum zu vermuten, der Höhepunkt sei überschritten. "Das warme Frühjahr hat das Wachstum stark angeregt, und die Wasserpflanzenfresser unter den Vögeln waren noch mit der Brut beschäftigt. Sie konnten die Ausbreitung daher nicht wesentlich beeinflussen", erklärt Reichmann.

So "explodierte" die Wasserpest im viel zu warmen Frühjahr 2014 erneut und legte einen großen grünen Teppich über den Wittsee. Das wiederum begünstigt auch die Entengrütze sowie Algenbildung, die beide jetzt hauptsächlich die geschlossene grüne Fläche auf der Nette an der Leuther Mühle bilden.

  • Kreis Viersen : SPD-Kreisparteitag schenkt dem Vorstand das Vertrauen

Auf die Vogelwelt wiederum hat das Grünzeug im Wittsee, der Nette und in anderen Seen eine geradezu fabelhafte Wirkung. Seit Ende Juni stieg die Zahl bestimmter Wasservögel vor allem auf dem Wittsee enorm an. Zählten die Biologen am 16. Juni noch insgesamt 125 Wasservögel auf dem Wittsee, so waren es Ende August bereits 672. Am 14. November zählten sie sogar 1532 Wasservögel nur auf dem Wittsee. Sie alle ernähren sich überwiegend von Wasserpflanzen - und sind geschmacklich schon verwöhnt.

"Wir haben festgestellt, dass sie lieber die Wasserpest verspeisen als die Entengrütze, die von Natur aus eher hier vorkommt", schmunzelt Reichmann. Die Pflanze bietet Vögeln ein tolles Nahrungspotenzial. Den Biologen gefällt das: Je weniger Pflanzen absterben, sich zersetzen, zu Boden sinken und die Sauerstoffzehrung fördern, desto besser ist das für ein Gewässer. Die Zahl der Wasservögel hat sich spürbar an den Netteseen vergrößert. Dabei ist der Wittsee nicht nur als größter See das bevorzugte Ziel. Hier stimmt das Nahrungsangebot. Von insgesamt 527 Schnatterenten, die die Biologen an allen Seen gezählt haben, waren Mitte November allein 354 auf dem Wittsee. "Das ist gigantisch", schwärmt Reichmann. Hinzu kamen 68 Höckerschwäne und annähernd 600 Blässhühner. Gezählt wurden auf dem See auch 54 Graugänse, 118 Pfeifenenten, 29 Löffelenten und 41 Teichrallen. Wer zurzeit am Wittsee spaziert, kann eine ungewöhnliche Fülle von Vögeln beobachten, die sich hier aufhalten. Viele Nettetaler genießen das ungewöhnliche Schauspiel.

(RP)
Mehr von RP ONLINE