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Nettetal: Wasser ist ein Schatz

Nettetal : Wasser ist ein Schatz

Viele Landwirte und Privatleute haben umgedacht: Sie verzichten weitgehend auf Pflanzenschutzmittel und auf übermäßige Düngung. Wasserwerken, Niersverband und Städten bereitet die Belastung von Wasser große Sorgen.

Wasser. Elixier des Lebens. Kein anderes Lebensmittel ist so wertvoll. Und doch geht die Gesellschaft mit Wasser um, als sei es unendlich. Doch von einer nie versiegenden Quelle kann keine Rede sein. Wasser wird "verbraucht", belastet und inzwischen aus sehr großen Tiefen heraufgeholt und mühsam aufbereitet. Denn "Grundwasser hat ein langes Gedächtnis", sagt Roland Schindler von den Niederrheinwerken Viersen.

Vor Jahren schlug der Niersverband Alarm. Flüsse und Bäche sowie das Grundwasser sind durch Gifte belastet. Obwohl Millionenbeträge in die Reinigungsstufen der Kläranlagen gesteckt werden, können Wirkstoffe, die das Wasser mitbringt, nicht alle beseitigt werden.

"Wir sind fast in der Lage zu ermitteln, wann wo welche Pflanzenschutzmittel auf welche Felder aufgetragen wurden", berichtet Christian Plaßmann (Stadtwerke Nettetal). 30 Jahre später kommen sie im Grundwasser an. Der Enkel hat mit unliebsamen Hinterlassenschaften des Großvaters zu kämpfen. Die Stoffe haben sich oft verändert. "Ursprüngliche Pflanzenschutzmittel zerlegen sich im Laufe der Jahre, einzelne Komponenten gehen neue Verbindungen ein. Was am Ende bleibt, ist vielfach nicht erforscht", sagt Plaßmann.

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Unermüdlich appellieren Niersverband, Städte und Gemeinden sowie Stadtwerke an die Bürger und an die Landwirtschaft zum verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. "Die mit der Landwirtschaft eingegangenen Kooperationen zeigen Wirkung. Aber wir werden noch mehr tun müssen", so Schindler. Alle Beteiligen setzen auf Einsicht. "Grün ist kein Feind des Menschen. Gras und Kräuter muss man nicht mit der chemischen Keule bekämpfen", ergänzt Plaßmann. Problematisch aus der Sicht von Brigitte Weigand vom Pflanzenschutzdienst in Bonn ist der Einsatz von Chemie auf Bürgersteigen, Wegen, Gleisen und Sportplätzen. Sie fordert Kommunen und Privatleute zum sparsamen Gebrauch auf. "Ein Herbizid-Verbot bedeutet nicht Verlotterung der Innenstädte", sagt sie.

Stadtwerke und Niederrheinwerke beraten Privatleute, Unternehmen und Landwirte, auch der Niersverband ist an einvernehmlichen Lösungen interessiert. Es gehe nicht um Schuldzuweisungen und um den erhobenen Zeigefinger, betont Dr. Wilfried Mannheller, Laborleiter des Niersverbandes. Es sei sinnvoller, den Schadstoffeintrag zu reduzieren, statt in den Klärwerken das Wasser aufwändig aufzubereiten. Dort kommen auch natürlich ausgeschiedene Medikamente in wachsenden Mengen an.

Städte wie Nettetal gehen mit gutem Beispiel voran. Sie verzichten seit Jahren auf Chemie in der Grün- und Flächenpflege, wie die für Grünflächen verantwortliche Heike Meinert vom Nettebetrieb unterstreicht. Das ist aufwändig, aber nachhaltig.

(RP)