Nettetal: Was will der Kunde wie lesen?

Nettetal : Was will der Kunde wie lesen?

Die Stadtbücherei Nettetal startet eine Umfrage zur Kundenzufriedenheit. Im Herbst wird die Auswertung dem Kulturausschuss vorgelegt. Dem Team um Ulrich Schmitter geht es um verbesserte Dienstleistung.

Manchen Studenten schickt der Himmel. So ist es mit dem Kempener Richard Wüster, der an der Fachhochschule in Köln Bibliothekar lernt. Er macht ein dreimonatiges Praktikum in der Stadtbücherei Nettetal. Deren Leiter Ulrich Schmitter ergriff die Gelegenheit beim Schopf, als Wüster anbot, eine Leserbefragung zu entwickeln und umzusetzen.

"Das hatten wir schon lange vor. Aber es fehlt einfach die Zeit. Mehr als zwanzig Jahre nach der Eröffnung der Stadtbücherei haben wir das noch nie gemacht. Dabei haben sich Struktur und Spektrum der Bibliothek in den vergangenen Jahren erheblich verändert", sagte er gestern. Mit der Befragung begibt sich die Bücherei auf ein sehr glattes Parkett. Denn abgefragt wird "Kundenzufriedenheit". Wüster hat in Rücksprache mit dem Bibliotheksteam einige Fragen formuliert, deren Antworten keinesfalls nur schmeichelhaft ausfallen können.

Vorrangig Dienstleister

Es zeichnet Nettetals Stadtbücherei seit ihrem Bestehen aus, dass sie experimentierfreudig, innovativ und sehr dienstleistungsorientiert ist. Die Steigerungsraten der vergangenen Jahre bei den Nutzern und den Medienausleihen versperren dem sechsköpfigen Team nicht den Blick darauf, dass es Impulse von außen benötigt, um richtig gut zu bleiben. "Wir sind in erster Linie Dienstleister", betont Schmitter.

Zugleich sucht er eine Einordnung in eine Welt, in der blue ray und E-Book zwar noch nicht an der Lobbericher Straße 1 Einzug gehalten haben, aber möglicherweise von den Kunden bald gefordert werden. Das und andere Dienstleistungen am Leser gibt es nicht zum Null-Tarif. Aber es geht nicht nur um Inhalte und Darreichungsformen von Literatur, sondern auch um das Ambiente. Reichen die Öffnungszeiten? Sind die Räume ausreichend? Müsste mehr ins Internet investiert werden? Solche Fragen stellt Wüster auch gezielt Schülern und Lehrern im Stadtgebiet. Für beide Zielgruppen hat er gesonderte Fragebögen entwickelt, die er persönlich und nach Absprache mit den Schulen anbringen möchte. Der Hintergrund ist plausibel. Denn in immer mehr Schulen spielen Medien aller Art eine wachsende Rolle – vor allem die Zugriffsmöglichkeiten per Internet.

Bis zum 10. Juli bleibt Bürgern Zeit, die Fragebögen auszufüllen. Richard Wüster wird sie dann auswerten und seinen Seminarvortrag ausarbeiten. Die Bücherei wird die Auswertung dem Kulturausschuss im Herbst vorlegen und möchte mit dem Jahreswechsel mit der Umsetzung der von den Kunden vorgeschlagenen Änderungen beginnen.

Schmitter schaut ständig nach vorne: "Es geht immer weiter", sagt er. Ihm ist klar, dass eine Bibliothek eine freiwillige Leistung ist, die in finanziell schwierigen Zeiten keine Selbstverständlichkeit ist. Sie muss sich unverzichtbar machen.

(RP)