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Kreis Viersen: Was bleibt nach Olympia?

Kreis Viersen : Was bleibt nach Olympia?

Der Kreissportbund Viersen gibt sich große Mühe, den Vereins- und Schulsport zu verknüpfen. Vorsitzender Kurt Heinrich glaubt nicht an neue Impulse durch die Olympischen Spiele. Viele Sportarten drohen verloren zu gehen.

Mit dem Erlöschen des Feuers im Londoner Olympiastadion gestern beginnt die sportliche Nachlese. Das von zum Teil harscher Kritik begleitete Auftreten deutscher Sportler in den vergangenen zwei Wochen wirft einmal mehr die Frage auf, ob die Sportförderung in Deutschland die richtigen Wege geht. Für Kurt Heinrich, den Vorsitzenden des Kreissportbundes (KSB) gibt es abseits des Leistungssportgedankens unübersehbare Defizite. Sie dürften mitverantwortlich dafür sein, dass Talente nicht erkannt werden und der Sport nicht mehr in seiner vollen Bandbreite die Kinder erreicht.

Kernproblem Lehrerausbildung

"Die Ziele des Kreissportbundes und der Leistungssport schließen sich nicht aus", erklärt Heinrich. Aber der KSB sei mehr auf die Organisation und Breitenwirkung von Sport konzentriert. "Die Leistungsarbeit ist die Aufgabe der Fachverbände", fügt der Nettetaler hinzu. Als ehemaliger Schulleiter verfügt Heinrich über reichhaltige Vergleichsmöglichkeiten. Nach seiner Beobachtung hat sich Schulsport als Basis neben dem Vereinssport erheblich gewandelt. Er sehe ein Kernproblem in der Ausbildung von Lehrern und in ihrer Motivation, Sport zu vermitteln. "Was einmal weg ist, ist weg", sagt Heinrich.

So müht sich der Kreissportbund redlich, bereits im Kindergartenalter den Nachwuchs zu bewegen. Manche Tagesstätten haben das Etikett "Bewegungskindergarten". "Das geschieht auch etwas", bestätigt Heinrich. Der Bruch folge mitunter in der Grundschule. Dort werde nur in seltenen Ausnahmenfällen überhaupt noch eine Sportart trainiert. "Es gibt immer weniger ausgebildete Sportlehrer, auch im Sekundarbereich. In der Primarstufe beschränkt man sich meist auf Bewegungsspiele." Die seien auch bitter nötig angesichts der zahlreichen Stubenhocker, die Eltern in Schulen ablieferten. Stundenlanges Herumsitzen vor Fernsehern oder Computern, das Bringen der Kinder mit dem Auto bis zum letzten Meter an der Schule und problematische Ernährungsgewohnheiten müssten im Sportunterricht mühsam ausgeglichen werden.

Heinrich bedauert aber sehr, dass die Bandbreite der Sportarten in den Schulen nicht mehr vermittelt werde. Leichtathletische Übungen oder leichte Formen des Geräteturnens seien extrem selten geworden. "Man geht gerne den bequemen Weg der Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball oder Basketball", bedauert er.

Zusätzlich erschwere die Ganztagsorganisation in immer mehr Schulen die Verknüpfung mit dem Vereinssport. "Das ist für uns die Krux schlechthin." Hoffnungen setzt der Kreissportbund darin, dass die im Oktober eigens eingestellte Angelika Berghäuser die Kluft schließen kann. Programme im Überbau gibt es reichlich. "Das Land gibt sich sehr große Mühe, beispielsweise mit der Kampagne NRW bewegt seine Kinder, der Landessportbund ist da ebenfalls sehr aktiv", sagt Heinrich. KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES

(RP)