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Nettetal: "Waldesruh" sucht einen neuen Pächter

Nettetal : "Waldesruh" sucht einen neuen Pächter

Pächter Malek Tubalek schließt das beliebte Ausflugslokal am kommenden Sonntag. Die Besitzer Friedhelm und Barbara Broich setzen auf professionelle Nachfolger.

Das Restaurant "Waldesruh" im Norden von Hinsbeck schlägt im kommenden Monat ein neues Kapitel auf. Nach fünf Jahren verlässt Pächter Malek Tubalek das traditionsreiche Haus. Bereits am kommenden Sonntag, 8. Februar, ist das Restaurant vorerst zum letzten Mal geöffnet. Die Besitzer, Friedhelm und Barbara Broich vom Leuther Gestüt Seehof, suchen bereits einen Nachfolger für die "Waldesruh".

Malek Tubalek führt persönliche Gründe an, warum er sich nach fünf Jahren aus Hinsbeck zurückzieht. Er hatte seinerzeit einen fünfjährigen Pachtvertrag unterschrieben, den er nun vollständig erfüllt hat. Bis zum Monatsende will er das Haus, in dem er allerdings nie wohnte, räumen und für einen Nachfolger frei machen. Tubalek kam immer aus Neuss nach Hinsbeck in sein Geschäft. Barbara Broich hofft, dass sie und ihr Mann schon bald einen geeigneten Nachfolger finden. "Die Waldesruh kann nur ein absolut professionell eingestellter und erfahrener Gastronom übernehmen. Es gibt einerseits eine örtliche Stammkundschaft und sehr viele treue Gäste aus der Region. Andererseits lebt das Restaurant, zu dem der vermutlich älteste Biergarten in der Region gehört, von Gästen aus weiterer Entfernung", sagt sie. Längst haben die "Waldesruh" auch sehr viele Niederländer entdeckt, die ohnehin von den Ausflugslokalen und Restaurants in der wunderbaren Landschaft an der Nette schwärmen.

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Die "Waldesruh" dürfte eines der ältesten Lokale dieser Art überhaupt sein. Gerade erst hat das Gasthaus sein 175-jähriges Bestehen gefeiert. Früher muss sehr viel Romantik im Spiel gewesen sein, als das Geschäft begann. Es entwickelte sich aus einer Ziegelei heraus und gewann seinen zusätzlichen Reiz durch den Teich gegenüber, auf dem Gondeln Liebespaare und Ausflügler übers Wasser schaukelten. Heimatkundler Heinz Koch hat zum Jubiläum vieles aus der Geschichte zusammengetragen und eine lesenswerte Festschrift zusammengestellt. Nach seinen Nachforschungen wurde die erste Konzession am 3. Mai 1838 auf den Namen des Besitzers Wynand Küppers ausgestellt. Damals hieß die Örtlichkeit noch "Pannenschoppen", also Ziegelei. Es liegt der Verdacht nahe, dass aber bereits vorher Bier ausgeschenkt wurde und man mit der Konzession einen Konflikt mit der preußischen Obrigkeit vermeiden wollte.

Über viele Generationen führte die Familie Derstappen die "Waldesruh". Von ihr erwarben die Broichs, die mittlerweile seit gut 30 Jahren auf dem Gestüt Seehof im Norden von Leuth leben und arbeiten, das Restaurant. Seinen weithin bekannten Namen trägt es seit etwa 110 Jahren. Kurz nach der Jahrhundertwende mochte man wohl den "Pannenschoppen" nicht mehr mit einem Ausflugslokal in Verbindung sehen.

Barbara und Friedhelm Broich hoffen, dass sie nun den richtigen Pächter (oder Pächterin) finden. "Wir haben schon gewisse Ansprüche, das haben die Waldesruh und ihre viele treuen Gäste sich über Jahrzehnte verdient", sagt Barbara Broich.

Die Besitzer suchen jemanden, der das historische Flair des Hauses wach hält und gleichzeitig die gastronomischen Ansprüche der sehr unterschiedlichen Gäste erfüllen kann. Handwerker, Bauern, Gärtner und Jäger bilden das Stammpublikum (der Hegering Nettetal trifft sich monatlich hier), Rad- und Fußwanderer sowie Ausflügler von beiden Seiten der Grenze wollen eine gute Karte mit aufmerksamem Service genießen.

(RP)