Vortrag in Kempen über Glaskünstler Joachim Klos aus Nettetal-Schaag

Kunst in Nettetal : Ein experimentierfreudiger Glaskünstler

Kunsthistorikerin Eva-Maria Willemsen stellte den berühmten Glaskünstler Joachim Klos in einem Vortrag vor.

In der kommenden Woche wird der Kempener Geschichts- und Museumsverein eine Tagestour nach Duisburg und Geldern unternehmen, um den Grafiker und Glasgestalter Joachim Klos vor seinen Arbeiten ins Gedächtnis zu rufen. Er gehört zu den bedeutendsten Künstlern der deutschen Glasmalerei der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Sonntag hielt Kunsthistoriker Eva-Maria Willemsen im Franziskanerkloster in Kempen einen Vortrag über den 2007 in Schaag verstorbenen Klos. Dort lebte er mit seiner Frau seit 1967.

Willemsen ist Expertin für Klos, verfasste sie doch gemeinsam mit Waltraud Hagemann das 2017 erschienene Buch „Joachim Klos (1931-2007): Grafiker und Glasgestalter“, herausgegeben von der Stiftung „Natur und Kultur“ Kreis Viersen der Sparkasse Krefeld. In ihrem gut einstündigen Vortrag mit einigen Bildbeispielen widmete sich Willemsen vor allen Dingen der Glasgestaltung für Sakralbauten. Doch hat Klos nicht nur für Sakralbauten gearbeitet. Sein künstlerisches Werk umfasst 127 kirchliche Glasfenster, 30 profane und mindestens 34 private Häuser mit insgesamt 1360 Einzelfenstern. Hinzu kommen mehrere Tausend Blätter grafischer Arbeiten.

Klos wurde 1931 im thüringischen Weida geboren, merkte aber bald, dass er unter den Bedingungen der DDR nicht freikünstlerisch würde arbeiten können und übersiedelte nach Krefeld wegen des guten Rufs der Werkkunstschule. Nach Mönchengladbach zog er der Liebe wegen, später dann nach Schaag.

1954 entstand sein erstes Glasfenster für die Kirche St. Andreas in Krefeld-Stratum. Das im Durchmesser 250 Zentimeter messende Glas greift das Andreaskreuz auf, doch ist es verschoben und stark abstrahiert. Klos setzt hier wie in seinen weiteren Gläsern auf die Wirkung der Farben. Der erste große Auftrag kam von der Kirche St. Maria Himmelfahrt in Mönchengladbach, „seiner Kirche“, wie Klos sie wohl einmal beschrieben haben muss. Hier feierte er seine Goldene Hochzeit, hier wurden seine Exequien begangen. Seit 1958 finden sich seine Fenster im Seitenschiff. Auch hier sind die Farben dominant, Klos wählte für seine abstrahierte Gestaltung die Marienfarben blau und rot.

Klos, so beschrieb ihn Willemsen, ist immer experimentierfreudig geblieben, hat Tendenzen der zeitgenössischen Kunst wie die Collagetechnik, das Informel oder die Pop Art, insbesondere die kinetische Richtung aufgegriffen und in Glas umgesetzt. Sogar Motive aus seiner Lebensumwelt wie ein Spinnennetz griff er auf. Diese Art bewahrte ihn vor Nachahmern.

Willemsens Vortrag bewies die Vielfalt des Künstlers Klos. In der anschließenden Fragerunde ging es um Auswahlverfahren für die Kunst am Bau, um Klos‘ Beziehung zum Glauben und um die Gefährdung der Kunst durch Abriss von Kirchen.

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