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Nettetal: Vorlesen und Zuhören

Nettetal : Vorlesen und Zuhören

Kinder ab vier Jahren kommen alle vierzehn Tage montags in die Stadtbücherei nach Breyell. Vorlesepatinnen erzählen ihnen Märchen und andere spannende oder fantasievolle Geschichten.

"Als das Wünschen noch in Erfüllung ging", erzählten sich die Menschen abends in der warmen Stube Geschichten von Prinzessinnen und Rittern. Darin kamen Schlangen und Drachen, Hexen und Zauberer vor. Renate Wiesemann-Fuchs erzählte gestern in der Nettetaler Stadtbücherei die Geschichte vom Däumelinchen und die von der Prinzessin auf der Erbse. Ihre märchenhaften Geschichten bildeten den Auftakt des neuen Jahresprogramms – nicht nur für Kinder.

Die Stadtbücherei hat im Laufe der vergangenen Jahre etwa 30 Vorlesepatinnen gewonnen, die in der Hauptstelle in Breyell, aber auch in den Kindergärten aus Büchern vorlesen. Die Geschichten richten sich an Kinder im Alter ab vier Jahren. Seit dem vergangenen Jahr geht die Bücherei hin und wieder auch "on Tour": Im engen Umkreis der Hauptstelle an der Lobbericher Straße besuchen die Vorlesepatinnen und die Kinder, meist in Begleitung der Eltern, einen Ort, an dem dann besondere Geschichten im Mittelpunkt stehen.

An Literatur heranführen

"Ein Buch liest jeder für sich alleine. Wenn Geschichten erzählt oder vorgelesen werden, ist das ein Gemeinschaftserlebnis", erklärte Renate Wiesemann-Fuchs. Sie erzählt fast lieber, als dass sie vorliest. Für viele Kinder ist es bereits eine Leistung, wenn sie zwanzig bis dreißig Minuten zuhören und sich in die Geschichte hineinarbeiten, die sie hören. "Hinsetzen und Zuhören sind Grundkompetenzen", sagt die Erzählerin. Die Vorlesegeschichten wollen Kinder, aber auch mitunter ihre Eltern an Literatur heranführen. "Manche Mütter oder Väter stöbern in der Zwischenzeit hier in den Regalen. Mitunter melden sie sich auch an, um Medien auszuleihen", berichtet Bibliothekarin Birgitt Mager. Sie sucht die Themen und konkrete Geschichten aus, schlägt sie Lesepatinnen vor und spricht mit ihnen das jeweilige Programm ab. In der Regel kommen etwa zwei Dutzend Kinder in die Bücherei. Geht es "on Tour", sind auch schon mal mehr Kinder da. Deswegen werden auch Karten ausgegeben.

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In diesem Halbjahr stehen beispielsweise Besuche im Tresorraum der Sparkasse am Lambertimarkt (mit Räubergeschichten), Blumen Reimann und auch die Trauerhalle auf dem Friedhof als schnell und gefahrlos erreichbare Ziele an. In der Trauerhalle wird die Geschichte von Kindern im Mittelpunkt stehen, die an einem Sommertag die Firma für die "besten Beerdigungen in der Welt" gründen. Zu erwarten ist eine ganz andere, kindgerechte Annäherung an ein gewiss schwieriges Themenfeld. Birgitt Mager ist überzeugt, dass die Kinder damit zurechtkommen. "Oft sind Erwachsene das größere Problem im Umgang mit nicht ganz so leichten Themen", sagt sie.

Die meisten Vorlesestunden gibt es aber in der Bücherei selbst. Sie soll als Standort von Literatur bei den Kindern fest verankert werden. Das hat durchaus Erfolg. Viele Kinder, die später mit den Grundschulen zu den Führungen durch das Haus kommen, haben es über die Vorlesegeschichten bereits kennengelernt. FRAGE DES TAGES

(RP)