Nettetal Vor der Kauflust steht der Stau

Nettetal · Allerheiligen ist in den Niederlanden ein normaler Arbeitstag. In Venlo und Roermond richtet sich der Handel auf den Ansturm deutscher Kunden ein. In Nettetal wird es auf den Straßen zum Nachbarn wieder eng.

Auf den Straßen in Leuth und Kaldenkirchen, die nach Venlo führen, wird es am morgigen Feiertag Allerheiligen alles andere als beschaulich zugehen. Eine Lawine von Kauftouristen wird sich über Venlo — und auch über Roermond — ergießen. "Wir stehen sozusagen mit den Händen an den Hosennähten bereit", schmunzelte gestern Jan Adams vom "Young Shop" in der Venloer Innenstadt. Der Einzelhandel habe sich einmal mehr darauf eingestellt, dass "die Deutschen mehr Feiertage haben als wir und dann zu uns zum Einkaufen kommen".

Allerheiligen ist nach dem Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober der zweite Feiertag innerhalb eines Monats, an dem deutsche Kauflust sich in Roermond und Venlo Bahn bricht. Da aber die Ausfahrt Nettetal-West weiterhin nicht geöffnet wird, ergießt sich der Strom der Venlo-Besucher voraussichtlich wieder über die B 221, den Dellerweg und die ehemalige Autobahn am Zollamt Schwanenhaus. Die Anwohner des Dellerwegs werden vermutlich wieder starke Nerven brauchen, wenn sie selbst irgendwohin wollen. Staus mit langen Wartezeiten an den immer noch unbefriedigend programmierten Ampeln auf der B 221 in Leuth wird es aller Wahrscheinlichkeit nach in beiden Richtungen geben.

Ursache ist der noch nicht vollendete Bau einer Brücke über den Dellerweg. Solange sie nicht fertig ist, kann die "Querspange" nicht eröffnet werden. Folglich bleibt die neue Anschlussstelle der A 61 am Kreuzackersfeld auch geschlossen. In Venlo wundert man sich allerdings sehr darüber, dass deutsche Autofahrer die umständliche Umleitung über den Dellerweg mit der zusätzlich Zeit raubenden Ampel nehmen. "Es ist doch viel einfacher, die A 61 bis zur Ausfahrt Venlo-Centrum zu nehmen. Hinter dem Krankenhaus gibt es drei große Parkplätze. Stattdessen quält man sich auch noch durch den Venloer Stadtverkehr", meint Adams.

Den Ansturm der Deutschen verfolgt der Einzelhandel in den Fachgeschäften, die noch von Inhabern geführt werden, mit gemischten Gefühlen. Im Wesentlichen seien Schnäppchenjäger unterwegs, die ausschließlich auf Sonderangebote eingingen. Bei den "2 Brüdern von Venlo" herrscht dagegen Ausnahmezustand. Am 3. Oktober mussten nach Angaben von Adams dort mehrmals die Türen geschlossen werden, weil der Andrang über die Kapazitäten hinausging.

"Immer Sonntag" ist dagegen in Roermond, wo das Outlet-Center eine enorme Anziehungskraft auf Kunden weit über den Rhein-Ruhr-Raum hinaus ausübt. Durch den Brückentag am Freitag hat man sich in der Bischofsstadt ebenfalls auf einen Ausnahmezustand eingestellt. FRAGE DES TAGES

(RP/rl)
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