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Nettetal: Von Tante Emma bis zur Dröppelminna

Nettetal : Von Tante Emma bis zur Dröppelminna

Seit Monaten durchforsten Mitglieder des Verkehrs- und Verschönerungsvereins den Bestand des Hinsbecker Dorfmuseums. Dabei kamen eine Reihe alter Schätze ans Tageslicht. Unsere Redaktion hat ein wenig mitgestöbert

Schwere Holzsohlen sind mit Nägeln an den selbstgenähten Leinenschuhen befestigt. Einfache Schnürsenkel hängen aus dem dicken Stoff herab. Die Schuhe gehörten einem Hinsbecker, der sie im Krieg in Russland hergestellt und nach Hause getragen hatte. Sie sind nur eines von vielen Schätzen, die im Dorfmuseum zu finden sind. Derzeit durchforsten und archivieren Heinz Koch, Renate Hommes, Horst Flügels, Peter Aldenhoven, Karl-Heinz Terporten und VVV-Geschäftsführer Ralf Hendrix die Ausstellungsstücke. Jeden Montag treffen sie sich für fünf Stunden und sortieren den Bestand. Zudem wollen sie den angrenzenden ehemaligen Fahrradkeller des Hinsbecker Schulzentrums renovieren, um einen weiteren Ausstellungsraum zu nutzen. Bis 2018 soll alles fertig sein.

"Es sind schätzungsweise 8000 bis 10.000 Teile, die dort gelagert sind", sagt Koch. "Alleine in den vergangenen anderthalb Jahren haben wir 3000 Gegenstände dazubekommen." Hendrix ergänzt: "Ungefähr 100 Gegenstände pro Montag."

 Kohleherd, Kaffeemühle, Dröppelminna und Delfter Blau-Geschirr.
Kohleherd, Kaffeemühle, Dröppelminna und Delfter Blau-Geschirr. Foto: Busch Franz-Heinrich sen.

Aldenhoven kommt mit einer undefinierbaren Flüssigkeit in einer alten Tasse herein. Der Geruch der Flüssigkeit hat sich schon verflüchtigt, dennoch will das Museumsteam wissen, was sich dahinter verbirgt. "Es kommen Gegenstände zum Vorschein, die wir nicht kennen und auch nicht wissen, was man früher damit gemacht hat", sagt Hendrix. "Wie beispielsweise die verschiedenen Halfter, die an einer Wand hängen. Wir wissen nicht, ob es Pferde- oder Ochsenhalfter sind." Hierzu hat sich der Museumsverein fachliche Hilfe geholt und jetzt sind alle Halfter schon einmal vorab mit kleinen Zetteln versehen. Auch entdeckten die Helfer eine alte Fotokamera-Sammlung von mehr als 285 Teilen. "Darunter sind alte Schätzchen, wie die Laterna Magica aus dem Jahr 1890, die sogar noch mit Petroleum betrieben wurde", erläutert Aldenhoven. "Es ist schade, dass uns der Platz fehlt, diese Dinge auszustellen."

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Renate Hommes, einzige Frau im Museumsteam, kommt mit einem dreibeinigen Jagdstuhl daher, der sich erst nach längerem Hantieren aufstellen lässt. Ihn hatte sie in einer Ecke gefunden. Koch und Hendrix haben eine aufgerollte Fahne gefunden. Auf dem großen Arbeitstisch entrollen sie diese. Sie entpuppt sich als eine aus den USA zurückgekehrte Fahne und erinnert an den Feldzug 1870/1871 und dabei an das Gefecht am 17. Oktober bei Thionvile (Frankreich) mit den Namen von 15 Hinsbeckern. "Sie soll wieder für alle Besucher sichtbar aufgehängt werden", kündigt Koch an.

Eigentlich sollte das Dorfmuseum nach der Archivierung und Renovierung 2017 wieder eröffnet werden. "Doch das schaffen wir zeitlich nicht", sagt Koch. "Es wird wahrscheinlich erst 2018 wieder zugänglich sein. Allein die Bestandsaufnahme zieht sich noch hin, "und noch immer fehlt uns ein Erweiterungsplan seitens der Stadt" merkt er an. "Bisher kommt die Stadt dem nicht nach."

Dennoch haben Koch und seine Kollegen Spaß und sind mit viel Engagement bei der Sache. "Es ist immer wieder spannend, welche alten Schätzchen als nächstes zum Vorschein kommen", sagt er und hat schon das nächste Altertümchen in den Händen.

(ivb)