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Nettetal: Von Neuseeland nach Nettetal

Nettetal : Von Neuseeland nach Nettetal

Jutta Houben lebte in den vergangenen zwölf Monaten auf der anderen Seite der Welt. Die 24-Jährige unterrichtete Schülerinnen und Studenten, erkundete die Nord- und Südinsel. Zurück daheim, beginnt sie ihre Abschlussarbeit.

Diese Momente, in denen sie am Ozean sitzt und aufs Meer schaut, Bücher liest und die Gedanken schweifen lässt, die wird es in den kommenden Monaten nicht geben. Jutta Houben ist wieder daheim in Nettetal — zurück aus Neuseeland, wo sie die vergangenen zwölf Monate gelebt hat. Schlimm findet die 24-Jährige das nicht. "In den Wochen vor meiner Rückreise habe ich mich auf die Heimat gefreut", sagt die Lobbericherin. "Es kommt mir aber so vor, als wäre das letzte Jahr nur ein Tag gewesen."

Dabei hat sie zwischen August 2011 und Juli 2012 so viel erlebt wie selten zuvor. Zwar lebte sie nach ihrem Abitur am Werner-Jaeger-Gymnasium 2007 für ein Jahr als Au-Pair in den US-Städten Philadelphia und New York. So viel gereist wie auf den neuseeländischen Inseln ist sie damals aber nicht.

"Ich hatte Fernweh"

Das war aber eines ihrer Ziele, nachdem sie drei Jahre in Trier Englisch und Deutsch auf Lehramt studiert hatte. "Ich hatte Fernweh, wollte mehr von der Welt sehen und hatte mir als Bachelorstudentin in Deutschland eine Erholungsphase verdient", erklärt sie. Für Neuseeland entschied sie sich, weil es "schön weit weg" war und sie dort Englisch, die Landessprache, sprechen konnte. Zudem fand sie über eine Organisation eine Anstellung als Assistenz-Lehrerin an einer Mädchenschule in Hamilton.

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Da sie mit ihren Aufgaben allerdings wenig gefordert wurde, kündigte sie nach vier Monaten. "Ich konnte nicht selber unterrichten, sondern sollte hauptsächlich 18-Jährige babysitten und Briefe falten", sagt Jutta Houben. "Das hat mir nicht gereicht."

An ihrem ersten freien Tag kaufte sie sich einen Kleinbus, um durchs Land zu fahren. "Ich habe eine Matratze reingelegt, sodass ich im Van schlafen konnte — und dann bin ich einfach losgefahren und habe die Nordküste erkundet", sagt sie.

Da an Heiligabend auf der Südhalbkugel Sommer ist, gab es weder Schnee noch kalte Tage. "Das war merkwürdig, da keine Weihnachts-Stimmung aufkam", sagt sie. "Aber ich habe mir mit zwei Engländern Käse und Wein, einen Truthahn und eine Weihnachtsmütze gekauft und auf einem Campingplatz ein richtiges Festmahl verzehrt."

Nachdem ihr Kumpel Max sie besuchen kam und sie mit ihrer Schwester Ilka im Februar Richtung Südinsel fuhr, gingen ihre Ersparnisse zur Neige. "Ich konnte mir die Reisen nicht mehr leisten und kam bei Freunden in Wellington unter." Sie bewarb sich an der Victoria-Universität in Wellington, unterrichtete dort im Anfängerkurs Deutsch. Die Doktorin, an deren Lehrstuhl sie arbeitete, besorgte ihr Nebenjobs. "Ich habe Gedichte des israelischen Schriftstellers Manfred Winkler sortiert und Deutsch für Reisende unterrichtet."

Zudem bereitete sie ihre Bachelorarbeit an der Uni Trier vor — in der sie sich auch mit Neuseeland beschäftigt. "Ich untersuche den Wandel in der Umgangssprache." Drei Monate hat sie Zeit, dann studiert sie zwei weitere Jahre. "Das wird anstrengend", meint sie.

Fest steht, dass sie anschließend wieder reisen wird. "Das Fernweh wird kommen", meint sie. Das nächste Mal wird es aber wohl nicht ganz so weit weg sein. "Es ist hart, die liebgewonnenen Freunde nicht mal eben am Wochenende besuchen zu können."

(RP/rl/spol)