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Nettetal: Von der Pein der Pubertät

Nettetal : Von der Pein der Pubertät

Der Literaturkurs des Werner-Jaeger-Gymnasiums führte Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" auf. Die Schüler stimmten die Besucher schon im Foyer auf das Thema ein. Die Pubertät stand im Mittelpunkt.

"Leistung! Disziplin! Ordnung! Glaubt ihr eigentlich, Eltern wissen immer, was richtig oder falsch ist?" Die angehenden Abiturienten des Literaturkurses am Werner-Jaeger-Gymnasium stehen regungslos auf der Bühne, als sie die verschiedenen Schlagworte in den Zuschauerraum rufen.

Der Vorhang fällt wieder. Stille. "Frühlings Erwachen", das Drama von Frank Wedekind bot alles, was das jugendliche Herz bewegt: schwangere Mädchen, Homosexualität, elterliche Gewalt und einen Selbstmord. Den begeht der im Drama von Frank Wedekind erst 14-jährige Moritz Stiefel (gespielt von Max van Poele bzw. Rene Rentzsch), der in der Schule eher schlechte Noten aufweist, kaum aufgeklärt ist, noch nie eine Freundin hatte und von seinen Mitschülern gehänselt wird.

Nur Melchior (Marcel Schatten), ein Klassenkamerad, steht ihm bei, wird zu seinem Freund. Moritz fühlt sich als Verlierer, dessen Versetzung gefährdet ist. Und dann ist da noch Wendla (Sarah Gutsche), ein neugieriges und wissbegieriges 14-jähriges Mädchen, das nie aufgeklärt wurde und falsche Vorstellungen von Sexualität und dem Kinderkriegen hat und von ihren Eltern geschlagen wird.

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Heißes Eisen angefasst

Der Literaturkurs des Werner-Jaeger-Gymnasiums unter der Leitung von Hanno Eckers hatte mit Frank Wedekinds Drama ein heißes Eisen für eine Schul-Aufführung angefasst, doch eigentlich mit diesem wichtigen Thema den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Literaturkurs nutzte die gesamte Werner-Jaeger-Halle als Aufführungsort, schon vor der eigentlichen Aufführung auf der Bühne stimmten die 18 Schüler das Publikum im Foyer auf das Drama ein, und während des Stücks wurde sogar der Balkon als Bühne mit einbezogen.

In dem Stück geht es vordergründig um die Notlage pubertierender Jugendlicher im 19. Jahrhundert und deren erwachende Sexualität. Sie leiden unter der Schule und unter der Unfähigkeit ihrer Eltern, sie aufzuklären. Ihre dringendsten Lebensfragen bleiben so unbeantwortet, sie fühlen sich von der Schule und von ihren Eltern während der Pubertät allein gelassen. Ihre hilflosen Versuche, sich gegenseitig bei ihren Problemen zu helfen und ihre Sexualität in vernünftige Bahnen zu lenken, scheitern und führen zu tragischen Entwicklungen.

Das Stück erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, da es in vielen Aspekten noch aktuell ist. Denn, so wenden sich die Schüler im Programmheft an die Eltern: "Habt ihr eine Ahnung von der heutigen Jugend?" Sie versprachen: "Das werden wir ändern." Das Stück regte zum Nachdenken an, es war traurig und melancholisch, und der Untertitel des Stückes "eine Kindertragödie" zeigt, was daraus werden kann: ein wahrhaftiges Drama.

(ivb)